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750 Jahre Kloster Habsthal
eine traditionsreiche Stätte der Stille und Spiritualität

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Flyer zu Kloster Habsthal

Kloster Habsthal – die dominikanische Vergangenheit
Das Kloster Habsthal kann 2009 auf eine 750jährige Geschichte zurückblicken. In einer Urkunde vom 20. Mai 1259 übergibt Pfalzgraf Hugo IV. von Tübingen seine Besitzungen in Habsthal an eine fromme Frauengemeinschaft, eine sog. Beginen-Sammlung, die sich einige Jahr zuvor im Kontext der mittelalterlichen Frömmigkeits- und Armutsbewegung im benachbarten vorderösterreichischen Städtchen Mengen gebildet hatte. Noch im selben Jahr erfolgt die Grundsteinlegung für den Bau einer Kirche und eines Klosters, in das die Mengener Schwestern in der Folge übersiedeln. Eine rasche und erfolgreiche „Verklösterlicherung“ lässt aus der Mengener Beginensammlung in verhältnismäßig kurzer Zeit ein wohlhabendes und zunächst adlig geprägtes dominikanisches Zweitordenskloster im abgelegenen Habsthal hervorgehen. Dank weiterer Schenkungen, Vermächtnisse und sodann auch gezielter Ankäufe können die Klosterfrauen eine umfangreiche Grundherrschaft aufbauen, die auf ihrem Höhepunkt 1728 immerhin 63 Bauernlehen in 18 Ortschaften mit einem Umfang von 3195 Jauchert umfasst. Ein weiteres wichtiges Standbein der Klosterökonomie bildet das selbst bewirtschaftete Eigengut der Schwestern vor Ort mit einem Umfang von 882 Jauchert, darunter 428 Jauchert Wald. Als eines der wenigen Klöster im Landkreis Sigmaringen vermag Habsthal darüber hinaus eine kleine Niedergerichtsherrschaft mit den Ortschaften Habsthal, Rosna und Bernweiler aufzubauen. Die Priorin des Klosters übt über die Untertanen dieser Dörfer weltliche Herrschaft mit juristischen und administrativen Befugnissen aus. Das Kloster und sein Gebiet unterstehen wiederum der Vogtei und der Hochgerichtsbarkeit der Grafen von Sigmaringen sowie in der Frühen Neuzeit überdies der von Österreich beanspruchten und durchgesetzten Landeshoheit und Besteuerung. In der langen Klostergeschichte lassen sich insgesamt fünf Ausbauphasen feststellen: Auf die Begründung des Klosters in der bereits bestehenden Siedlung Habsthal in der Mitte des 13. Jahrhundert folgt nach einem verheerenden Brand 1363 ein Wiederaufbau, an den sich um 1500 ein von der Spätgotik geprägter Umbau und die Errichtung einer von den Herren von Hornstein gestifteten Chorkapelle anschließen. Das heutige bauliche Erscheinungsbild von Kloster Habsthal ist barock bestimmt und geht auf den von Jodokus Beer geleiteten Wiederaufbau von Kirche und den drei Konventsflügeln in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach den Verwüstungen des 30jährigen Krieges zurück. In der Mitte des 18. Jahrhunderts werden die bislang schlichte Klosterkirche sowie Priorat, Refektorium, Kapitelsaal und weitere Konventsteile in einem eleganten Spätbarock modernisiert. Die auf den bekannten Joseph Anton Feuchtmayer zurückgehenden Stuckaturen und die Kanzel in der Klosterkirche sowie die Deckengemälde von Gottfried Bernhard Göz, darunter ein lebhafter Schwesternchor über der Nonnenempore, zeugen bis heute von der hohen Qualität dieser letzten Umbauetappe. Demgegenüber stammt das von Matthäus Zehender geschaffene, gleichermaßen bemerkenswerte Hochaltarbild mit der Gottesmutter, den Klostergründern und der ältesten Ansicht des Klosters noch von 1691 und damit aus der hochbarocken Bauphase. Im Fundus von Kirche und Kloster haben sich darüber hinaus zahlreiche Kunstwerke sowie in Eigenarbeit der Schwestern gefertigte „schöne Klosterarbeiten“ ganz überwiegend aus der Barockzeit erhalten. Im Zuge der Säkularisation fällt das Dominikanerinnenkloster Habsthal mit seinem stattlichen Besitz an den Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen, der den damals 21 Schwestern den Verbleib in der Anlage gestattet und zu ihrem Unterhalt bescheidene jährliche Pensionen aussetzt. Der Versuch, den Fortbestand des aufgehobenen Klosters durch die Einrichtung und den Betrieb eines hauswirtschaftlich geprägten Mädchenpensionats zu sichern, bleibt in den Jahren 1807 – 1810 aufgrund der fehlenden Unterstützung durch den Sigmaringer Fürsten Episode. Nach der Räumung des Klosters durch die noch verbliebenen sechs Schwestern 1840/41 erfährt die Anlage eine für die Bausubstanz verheerende wechselvolle weltliche Nutzung als hohenzollerische Lehrervorbereitungsschule, sodann als Blinden- und Taubstummenanstalt und schließlich, bereits unter preußischer Trägerschaft, als Strafanstalt für Frauen und Männer. Nach 20jährigem Leerstand und der zunächst vergeblichen Suche nach einer neuen geistlichen Zweckbestimmung ist der Zustand der jetzt dem preußischen Staat gehörenden ehemaligen Klostergebäude derart desolat, dass sie 1886 zum Abbruch freigegeben werden. Die Niederlassung von Benediktinerinnen aus dem schweizerischen Hermetschwil in Habsthal 1892 und die sich anschließende mühevolle Instandsetzung der ruinösen Anlage ermöglichen den Fortbestand des bau- und kunstgeschichtlich bedeutenden Klosters.

Kloster Habsthal – die benediktinische Gegenwart
Die Benediktinerinnen aus dem im schweizerischen Kanton Aargau gelegenen Hermetschwil befinden sich im Gefolge der Säkularisation von 1841 in einer existenziellen Bedrängnis und sind auf der Suche nach einer neuen Heimat außerhalb der Eidgenossenschaft, um den Fortbestand des damals noch elf Schwestern zählenden Konvents zu gewährleisten. Nach der Niederlassung von zwei Chorfrauen und sieben Novizinnen im Oktober 1892 in Habsthal erlebt das alte Kloster einen raschen Wiederaufstieg und zählt dank zahlreicher Neueintritte 1898 bereits 24 Konventschwestern. Das als Abtei firmierende Doppelkloster Habsthal-Hermetschwil vermag durch die befristete Entsendung von Schwestern auch die Existenz des schweizerischen Standorts zu sichern. Erst 1985 trennen sich nach nahezu einhundert Jahren die Wege der beiden Klostergemeinschaften und bildet Habsthal fortan ein eigenständiges Priorat unter der Aufsicht des Abtes von Muri-Gries in Südtirol. Das Benediktinerinnenkloster ist eine kontemplative Gemeinschaft mit einer bis zu den Reformen des 2. Vatikanischen Konzils bestehenden Zweiteilung in dem lateinischen Chorgebet verpflichtete Chorfrauen und vorrangig in der Klosterökonomie tätige Laienschwestern. Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Benediktinerinnen lange Zeit aus der gärtnerischen und landwirtschaftlichen Bewirtschaftung des umfangreiches Klosterhofes, in den 1920/30er Jahren zeitweilig aus dem Betrieb einer Näh- bzw. Fortbildungs- und Kochschule und schließlich aus den Einkünften einer überaus erfolgreichen Paramenten- und Stickwerkstatt. Sowohl kirchliche Einrichtungen wie auch zahlreiche Vereine in weiter Umgebung finden sich unter den Kunden der kunsthandwerklich talentierten Klosterfrauen, deren Produktpalette von kunstvoll bestickten Messgewändern bis zu Jubiläumsfahnen für Feuerwehren und Gesangvereine reicht. Stark rückläufige Beitritte von Novizinnen bereits seit den 1960er Jahren lassen die Klostergemeinschaft zunehmend altern und schrumpfen, so dass aufgrund des fehlenden Nachwuchses die Paramentenwerkstatt wie auch die klösterliche Landwirtschaft aufgegeben werden müssen.

Im Jubiläumsjahr 2009 beherbergt das Kloster Habsthal eine vier Frauen und einen Spiritual umfassende kontemplative benediktinische Gemeinschaft, deren Alltagsleben von den morgendlichen Vigilien bis zur abendlichen Complet in der Tradition ihres Ordens vom Chorgebet, Meditationszeiten und der täglichen Eucharistiefeier bestimmt und gegliedert wird. Die Arbeit als zweite Säule des benediktinischen Klosterlebens neben dem Gebet gilt der Versorgung von Haus und Garten, der Verrichtung des bereits seit 1920 wahrgenommenen Mesmerdienstes in der Pfarr- und Klosterkirche sowie der Gastfreundschaft, Beherbergung und Betreuung von Menschen, die in wachsender Zahl in der klösterlichen Stille Einkehr halten und den Weg zu sich und Gott suchen.

Kloster Habsthal vor großen Herausforderungen
Kloster Habsthal steht im Jubiläumsjahr 2009 vor großen Herausforderungen: Zum einen gilt es junge Frauen für einen Eintritt zu gewinnen, um den Fortbestand der Gemeinschaft und den Erhalt des Klosters als Stätte der Spiritualität und benediktinischen Frömmigkeit zu sichern. Zum anderen befindet sich die im Wesentlichen auf das Barock zurückgehende Klosteranlage durch „Bausünden“ in den zurückliegenden zwei Jahrhunderten seit der Säkularisation, die allzu lange Vernachlässigung einer grundlegenden Instandsetzung sowie gravierende statische Probleme insbesondere in den Dachstühlen und Geschossdecken in einer akut sanierungsbedürftigen Verfassung. Mit Denkmalmitteln von Bund und Land sowie mit Unterstützung durch die Denkmalstiftung Baden, den Landkreis Sigmaringen und die Gemeinde Ostrach will man in den kommenden zwei Jahren die angegriffene Substanz der im Kernbestand rund 350 Jahre alten Klosteranlage sichern und instandsetzen. Nutzungsbezogene Bauinvestitionen müssen sodann nachfolgen. Insgesamt besteht ein Finanzierungsbedarf von mehreren Millionen Euro. Ein im Sommer 2008 gegründeter Förderverein mit mittlerweile mehr als einhundert Mitgliedern will die Benediktinerinnen von Kloster Habsthal bei Bewältigung dieser Herausforderungen tatkräftig unterstützen.

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© Kloster Habsthal










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