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Marienverehrung in der Kunst der Klosterkirche zu Habsthal 

Altar

Allgemeines

In den meisten Klosterkirchen läßt sich anhand der Kunstwerke auf den Orden schließen, der sie in Auftrag gegeben hat und der zu jener Zeit das Kloster bewohnte. So auch hier in Habsthal.
Fast sechshundert Jahre lang, von 1259 bis 1841, lebten in Habsthal Dominikanerinnen. Was wir heute von der Kirche sehen, stammt weitgehend aus den Jahren 1650 bis 1750. Nach dem dreißigjährigen Krieg war das Gebäude so zerstört, daß es neu aufgebaut werden mußte.
An der barocken Ausstattung, die hier schon Züge des Rokoko aufweist, haben bedeutende Künstler wie Feuchtmayer, Göz und Spiegler gearbeitet. Das ihnen vorgegebene Thema in Habsthal entsprang der dominikanischen Spiritualität: Eucharistieverehrung und Marienverehrung.

Empore

Deckenfresko im Langhaus

Freske

Im Deckenfresko des Langhauses, das von Gottfried Bernhard Göz (1748) geschaffen wurde, sehen wir beide Themen vereinigt: es zeigt den heiligen Dominikus (1170-1221), wie er durch die Verehrung der Eucharistie und der Gottesmutter letztlich Christus die Ehre und Anbetung schenkt.

Das Bild hat einen vertikalen Aufbau:
Unten sehen sie eine dunkle, häßliche Gestalt mit braun-grünem Gewand, darüber der Heilige Dominikus, über ihm eine Monstranz, dann folgt eine Büste des heiligen Petrus und über diesem der siegreiche Christus.
Der Ordensgründer Dominikus kniet vor einem Altar, auf dem in einer goldenen Monstranz die Hostie zur Verehrung und Anbetung ausgestellt ist. Direkt darüber, als Abschluß des Altaraufbaus, die Büste des heiligen Petrus mit zwei Schlüsseln. Sie stehen für die Worte, die Jesus an ihn gerichtet hat: was du auf Erden bindest, wird auch im Himmel gebunden sein, was du auf Erden löst, wird auch im Himmel gelöst sein. Petrus stellt hier die Verbindung zum Himmel her, wo Jesus Christus als Sieger über den Tod auf Wolken thront. In seiner linken Hand hält er das Kreuz in der rechten Hand drei Speere. Diese drei Speere richtet er gegen das Böse, das sich am untersten Bildrand aufhält, in der bereits erwähnten dunklen Gestalt.

Außerhalb der eben beschriebenen vertikalen Linie schwebt zu Füßen ihres Sohnes, Maria – sie befindet sich zwischen Himmel und Erde, man könnte auch sagen: sie verbindet Himmel und Erde, sie hat hier eine „Brückenfunktion“. Ihr blauer Mantel verweist auf ihre himmlische Zugehörigkeit. Blau gilt als die tiefste und am wenigsten materielle Farbe, steht für Wahrheit und Transparenz und für das Firmament. Ihr weißes Kleid symbolisiert ihre Unschuld und Reinheit; in den Kunstwerken trägt sie es meist, wenn sie als jungfräuliche Gottesgebärerin dargestellt wird. Unterstrichen wird ihre Keuschheit noch durch das verschleierte Haupt.  

Maria steht auf einer Mondsichel – eine Darstellung, die seit dem Mittelalter aus der Offb. des Joh. Kap.12  übernommen wurde. Dort wird Maria als eine Frau beschrieben, die mit der Sonne bekleidet ist und den Mond unter den Füßen hat. Allerdings dürfte bei dieser Symbolik auch ein religionsgeschichtlicher Rückbezug mitspielen, denn der Halbmond war schon das Zeichen der Mondgöttin Artemis sowie der römischen Göttin Lucina, die bei Geburten angerufen wurde und zugleich Göttin der Keuschheit war.
Ebenfalls auf die Offenbarung des Johannes geht die Sternenkrone zurück, die über dem Haupt der Gottesmutter zu sehen ist. Sterne gelten als Zeichen und Bringer des Lichtes; als Durchdringer der Finsternis nehmen sie am ständigen Kampf zwischen Licht und Finsternis teil; nach biblischer Auffassung gehorchen sie dem Willen Gottes.

Um Hilfe angerufen und verehrt wird Maria auf diesem Bild vom heiligen Dominikus. Er hält in seiner linken Hand einen Schild, auf dem der Name Maria steht und der außen herum durch einen Rosenkranz begrenzt wird. Einen Rosenkranz trägt der Ordensgründer auch am Gürtel seines weißen Ordensgewandes. Eine Legende erzählt, er habe von der Mutter Gottes den Rosenkranz überreicht und die Gesätze erläutert bekommen. Auf diesem Fresko ist er mit  sämtlichen Attributen, die ihm die Kunst im Laufe der Zeit verliehen hat,  ausgestattet: mit der Lilie (Zeichen der Reinheit, Unschuld und Jungfräulichkeit), mit dem goldenen Stern über der Stirn (den sah seine Amme bei der Taufe auf seiner Stirn) und mit dem Hund zu seinen Füßen (seltene Darstellung: der Hund hält in seinem Maul eine brennende Fackel).

Hochaltarbild (Gründerbild)

Als große Marienverehrerinnen haben die Dominikanerinnen ihr Kloster dem Schutz Mariens anvertraut; sichtbar auf dem Hochaltarbild. Gemälde

Diese Ölgemälde auf Leinwand wurde 1691 von Mathae Zehender geschaffen und wird auch als Gründer- oder Stifterbild bezeichnet. Es zeigt im unteren Teil von links nach rechts: König Rudolf von Habsburg, ein Wohltäter in den Anfangsjahren des Klosteraufbaues, der die Insignien seiner königlichen Macht (Krone und Zepter) vor der Königin des Himmels abgelegt  hat; der heilige Dominikus - vor ihm die Weltkugel, auf der Kloster Habsthal abgebildet ist; dann folgt Pfalzgraf Hugo von Tübingen, der den Schwestern Habsthal und die dazugehörigen Besitztümer übereignete und zuletzt Graf Bodman, der diese Besitzungen damals zum Lehen hatte.

Über diesen vier Männern schwebt die Mutter Gottes auf einer Wolke. Auf diesem Bild sehen wir Maria als Himmelskönigin: mit Sternenkranz, Krone und Zepter, bekleidet mit einem blauen Umhang und einem roten Kleid. Im rechten Arm hält sie das segnende Jesuskind. Ihr Blick fällt nach unten auf die Erde, von wo aus die vier Männer ihrerseits den Blick zu ihr erheben, um ihr das Kloster anzuvertrauen. Zwei Spruchbänder verdeutlichen dies: aus dem Munde von König Rudolf heißt es: „Hab du das Thaal!“ und aus dem Munde des Grafen von Tübingen steigen die Worte auf: „Beschütz das Thaal!“

Maria neigt sich aufmerksam den Herren zu – es fällt auf, wie sie ihr rechtes Ohr, das weder vom Haar noch vom Schleier bedeckt ist, ganz den vier Männern zuneigt (vgl. „Neige dein Ohr mir zu und hilf mir!“ – Psalm). Maria war bis Mitte des 19. Jh. die Schutzpatronin des Klosters; die Pfarrgemeinde, die nach der Säkularisation die Pfarrkirche zum Eigentum bekam, änderte das Patrozinium zugunsten des heiligen Stephanus, die Benediktinerinnen haben den einstigen Titel des Klosters jedoch beibehalten, so daß wir bis heute am Fest Mariä Aufnahme in den Himmel - Maria als unsere Schutzpatronin verehren.

Seitenaltarbild – Rosa v. Lima

GemäldeWir kommen zu einem weiteren Gemälde von Mathae Zehender, zum rechten Seitenaltarbild (1681 auf Leinwand gemalt). Die rechte Bildhälfte zeigt wieder Maria  - mit blauem Umhang und rotem Gewand, das segnende Jesuskind auf ihrem Arm – die Ähnlichkeit zum Hochaltarbild ist ganz offensichtlich. Selbst die Gesichtszüge sind die gleichen; sie sind sehr mädchenhaft, anmutig und schön. Auf der linken Seite sehen wir eine junge Frau im Ordenskleid  der Dominikanerinnen; es handelt  sich um Rosa von Lima. Sie wurde 1586 in Lima geboren; ihre Familie stammt aus Spanien und lebte mit zwölf Personen in armseligen Verhältnissen. Isabella (so hieß sie mit Taufnamen) litt unter den Greueltaten, die ihre Landsleute in Peru an der Urbevölkerung anrichteten, und sie nahm deshalb ein übermäßig strenges Büßerleben auf sich, um einen Teil dieser Schuld wieder gut zu machen. Sie fastete streng, arbeitete zehn Stunden pro Tag als Näherin und Stickerin, um zum Lebensunterhalt der großen Familie beizutragen. Im Garten ihrer Eltern baute sie sich eine Laube, wo sie bis zu zwölf Stunden täglich betete. Ihre Schauungen und mystische Begnadungen verbarg sie so gut es ging vor anderen Menschen, nur Priestern gegenüber offenbarte sie sich. Diese forderte sie auf, sich für die unterdrückte Urbevölkerung einzusetzen. Mit zwanzig Jahren trat Rosa in den Terziarorden der Dominikanerinnen ein und gründete in Lima das erste Schwesternkloster.
Mit einundreißig Jahren starb sie an den Folgen ihres strengen Büßerlebens; 1671 wurde sie heilig gesprochen und wird inzwischen weltweit verehrt.
Rosa von Lima wird meist mit Rosen dargestellt – so auch auf diesem Gemälde. Es heißt in ihrer Lebensbeschreibung, daß ihre Hütte im Garten, wo sie eine Art Einsiedlerleben führte, mit Rosen bewachsen gewesen sei, die sie liebevoll pflegte. Hier sehen wir, wie Rosa von Lima von der Gottesmutter mit einem Kranz aus Rosen gekrönt wird, wohl als Auszeichnung und Anerkennung für ihr jungfräuliches Leben als Büßerin und Mystikerin. Das Jesuskind auf dem Arm Mariens erteilt ihr seinen Segen. Der Hintergrund des Bildes erscheint sehr bedrohlich, er zeigt eine Gewitterstimmung; das ist ein Zeichen für die damalige Zeit, in der die vom Goldrausch besessenen spanischen Eroberer die Ureinwohner von Peru abschlachteten und ausbeuteten. Hoffnung und Rettung kommt von Maria, ihr Haupt strahlt wie die Sonne helles Licht aus, auch Rosa von Lima ist mit einem kleinen Lichtschein bekränzt.
Die Dominikanerinnen von Habsthal sollten durch dieses Bild wohl zu einer doppelten Heiligenverehrung angeregt werden: zu jener ihrer Ordensheiligen Rosa v. Lima und – entsprechend deren Vorbild – zur Verehrung der heiligen Jungfrau Maria.

Pietà

Die PietaDas nächste Kunstwerk zur Marienverehrung ist eine Plastik – die Pietà an der Innenwand der Kirche. Sie wurde um 1748 vermutlich von dem Künstler Johann Felizian Hegenauer geschnitzt. Das Wort Pietà kommt aus dem Italienischen und heißt übersetzt: Frömmigkeit oder auch Mitleid. Die Pietà stellt Maria als Mater Dolorosa dar, als Schmerzensmutter. Dieses Motiv der Kunst ist seit dem frühen 14. Jahrhundert bekannt und ist sehr wahrscheinlich in Zusammenhang mit den Andachtsbildern entstanden. Andachtsbilder waren meist kleine, plastische Fiuguren oder Figurengruppen, die parallel zur damaligen Mystik entstanden sind. Dazu gehören z. B. die Johannesminnen, die hier in Oberschwaben und im Bodenseeraum entstanden sind. Die Mystik wendete sich in ihrer Innerlichkeit verstärkt dem erlösenden Leiden Chritsti und dem Mitleiden der Menschen zu.
In der Darstellung der Pietà kommt diese Absicht auf einzigartige Weise zum Ausdruck. Sie zeigt den Leichnam Christi, wie er nach der Kreuzabnahme steif und geschunden auf dem Schoße seiner Mutter ruht. Maria beugt sich voller Schmerz und tränenüberströmten Gesicht über ihren Sohn. Ihr Herz durchdringt ein Schwert – das entspricht dem Lukas-Evangelium, das von der Beschneidung Jesu im Tempel berichtet und folgende Worte des greisen Simeon an Maria überliefert: “Und dein eigenes Leben wird ein Schwert durchdringen!“ (LK 2,35).
Die rote Farbe des Kleides der Gottesmutter verweist in dieser Darstellung nicht auf ihren Rang als Himmelkönigin; vielmehr steht sie hier für das vergossene Blut ihres Sohnes. Der blaue Umhang ist mit einer goldenen Borde eingefaßt, ebenso trägt Christus eine goldene Lendenschürze. Gold ist die Farbe der Ewigkeit und bringt zum Ausdruck, daß mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern daß wir in allem Schmerz und in allem Leid auf die Ewigkeit hoffen dürfen. Dieser vertrauensvolle Glaube, der – nach Jesu eigenen Worten - dem Sein der Kinder gleichen soll, wird versinnbildlicht durch die beiden Putten, die das Andachtsbild mittrauernd einrahmen.
Die Pietà zählt zu den häufigsten und verbreitetsten Mariendarstellungen seit dem Mittelalter; der Grund liegt wohl darin, daß sich die Menschen in all ihrem Leid in diesem Bildnis wiederfinden konnten und Trost fanden. So gewiß auch die Dominikanerinnen in Habsthal, denn auch ihr Ordensleben verlief gewiß nicht ohne Schmerz und Leid.

Heilige Familie / Der heilige Wandel 

Der heilige Wandel

Eine ganz seltene Darstellung mit der Gottesmutter haben wir als Pendant zur Pietà an der Außenwand der Kirche. Diese Plastik wird ebenfalls Johann Felizian Hegenauer (um 1750 geschnitzt) zugeschrieben; man nennt sie auch „Der heilige Wandel“. Diese Art der Darstellung der Heiligen Familie war im 17./18. Jh. als Andachtsbild vor allem im häuslichen Milieu bekannt. Aus diesem Grunde findet man sie auch kaum in Kirchen (Kloster war eher wie Familie). In Zusammenhang mit dieser Darstellung ist der Stoßseufzer: Jesus – Maria und Josef entstanden; vor ihr wurde auch in der Toedesstunde gebetet.

Maria und ihre Familie werden hier bei der Wallfahrt zum Tempel nach Jerusalem anläßlich des Pessachfestes dargestellt. Im Lukasevangelium lesen wir: „Und seine Eltern pilgerten jedes Jahr nach Jerusalem zum Paschafest. Auch als er zwölf Jahre alt war, zogen sie nach dem Festbrauch hinauf.“ (LK, 2,41-43). Sie schreiten sichtbar aus, was Lebendigkeit und Dynamik in das Kunstwerk bringt. Maria und Josef reichen ihrem Kind die Hand; Jesus streckt seine Arme den Eltern entgegen, ergreift deren Hände aber nicht. Denn sein wahrer Vater, an den er sich hält, ist im Himmel. So ist sein Blick denn auch nach oben gerichtet, er scheint ganz dort zu sein, was seines Vaters ist – wie es in der Bibel heißt. Er braucht nicht auf den Weg zu achten, weil er von seinen irdischen Eltern von links und rechts geborgen, begleitet und gehalten wird; er kann sich getrost höheren Dingen zuwenden. Seine Eltern schauen mit in sich gekehrtem, gesammeltem Blick zur Erde, in Gedanken ganz ihrem außergewöhnlichen Sohn zugewandt. In der Hand halten sie jeweils einen Wanderstab, wobei der von Maria am oberen Ende eine stilisierte Lilienblüte aufweist – Zeichen der Reinheit und Jungfräulichkeit.

So, wie die heilige Familie gemeinsam in Bewegung ist und auf Gott, den sie im Tempel von Jerusalem verehrt, zuschreitet, so sollten zu ihrer Zeit auch die dominikanischen Ordensfrauen – und heute alle anderen Betrachter – daran erinnert und ermutigt werden, auf ihrem Lebens- und Glaubensweg voranzuschreiten. Der Aspekt der Gemeinsamkeit ist dabei sehr von Bedeutung, denn den christlichen Glauben kann niemand alleine leben, wir brauchen unsere Mitmenschen, um einmal bei Gott anzukommen. Das lebte Maria vor.

 Vermählung (Spieglerbild) 

Vermählung

Eine besondere Kostbarkeit dieser Kirche ist das Ölgemälde  an der Innenwand; es stammt von Franz Josef Spiegler; ein gebürtiger Allgäuer, der das Kunstwerk 1747 geschaffen hat. Es stellt die Vermählung der heiligen Katharina De` Ricci dar. Die Brautmystik ist ein Thema, das vor allem im Mittelalter starke Verbreitung fand.
Katharina D.R. wurde 1522 in Florenz geboren, trat im Alter von 13 Jahren in den Dominikanerorden ein und war in ihrem Kloster Novizenmeisterin und Priorin. 1590, mit 68 Jahren, starb sie. Zu Lebzeiten stand sie mit bedeutenden Persönlichkeiten in Kontakt und nahm an den geschichtlichen Ereignissen (z. Reformtion in Deutschland) regen Anteil. Auch sie führte, wie Rosa v. Lima, ein strenges, asketisches Leben. Ekstasen, Seher- und Wundergaben sowie die Wundmale Christi gehören zu ihren mystischen Begnadungen.

Entsprechend wird Katharina auf diesem Bild als mystische Braut Christi dargestellt. Sie trägt das weiße Ordenskleid der Dominikanerinnen, auf ihrem Haupt liegt eine Dornenkrone, sie kniet vor Christus und bekommt von ihm einen goldenen Ring angesteckt. Auf ihrer rechten Hand, erkennt man ein Wundmal; an der linken Hand ist es durch einen weißen, feinen Handschuh verdeckt. Über ihr steht Maria - in ein blaues Gewand gehüllt. Sie beugt sich liebevoll und mütterlich fürsorgend zu der blaß und zerbrechlich erscheinende Nonne herab. Sie faßt Katharina D. R. an der rechten Hand und führt sie ihrem Sohn zu; dabei ruht ihre linke Hand liebevoll auf der Schulter der Ordensfrau. Maria erscheint hier ganz und gar als Mutter; man spürt die innige Liebe, in der sie dieser Vermählung zustimmt und ihre geliebten Kinder einander zuführen möchte.

Den Frauen gegenüber steht Christus, der Bräutigam, der sich mit ganzer Innerlichkeit seiner Braut zuwendet und ihr den goldenen Ring ansteckt. Er ist, wie im Deckenfresko des Langhauses, als Sieger über den Tod dargestellt, er trägt das Kreuz hier auf seinen Schultern. Christus ist mit einem roten Umhang und einem blauen Untergewandt gekleidet, auf dem Haupt trägt er eine goldene Krone. Seine Gestalt ist in weißes Licht getaucht, das auch noch auf Katharina D. R. fällt. Diese festliche, majestätische Erscheinung soll zum einen die Würde des Bräutigams zeigen, zum anderen der mystischen Braut die zu erwartende Herrlichkeit vor Augen führen. Im Angesicht des Sieges Christi über alles Leid der Welt erfährt sie Trost und Ermutigung, um ihr persönliches Leid, das sie durch ihre asketische Lebensweise und in ihren mystischen Erfahrungen auf sich nimmt, zu tragen.

An den linken Bildrand hat Spiegler noch den bekannten Dominikaner Thomas v. Aquin gemalt, erkennbar sowohl an der strahlenden Sonne auf seiner Brust als auch an dem Buch in seiner Hand, das ihn als den großen Gelehrten auszeichnet. In diesem Bild finden wir eine interessante theologische Aussage: auf den ersten Blick ist die hierarchische Anordnung der drei Frauen in der rechten Bildhälfte ungewöhnlich: unten die Ordensfrau, darüber Maria und zuoberst, die Sünderin Maria Magdalena mit dem Salbgefäß. Auch dieser Darstellung liegt eine biblische Aussage zugrunde: Wiederum im Lukasevangelium lesen wir: „Ich sage euch: So wird mehr Freude im Himmel sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die die Umkehr nicht brauchen.“ (LK, 15.7)

Diese himmlische Freude zeigen am oberen Bildrand zwei musizierende Engel ganz deutlich; der linke Engel hält eine Notenrolle in Händen und singt, der andere begleitet ihn auf einer Geige.

Ein anderes Engelein am unteren linken Bildrand hält eine weiße Lilie im Arm – sie verweist auf die Reinheit und Jungfräulichkeit, die das gesamte Bild überstrahlen.

 Deckenfresko auf der Nonnenempore

Das letzte Kunstwerk dieser Kirche, mit dem ich diese Führung beenden möchte, zeigt die Dominikanerinnen als Marienverehrerinnen. Es befindet sich auf dem Nonnenchor und kann von ihnen jetzt leider nicht gesehen werden. Doch nach der Führung geben wir ihnen die Möglichkeit, auf den Nonnenchor zu steigen und sich das schöne Gemälde aus der Nähe zu betrachten.
Wie alle anderen Fresken, so stammt auch dieses von Gottfried Bernhard Göz und wurde im Jahre 1748 von ihm vollendet.

Das ovale Gemälde ist, wie alle anderen Deckenbilder, von einem wunderschönen Rokokostuck umrahmt, ein stilisierter Spiegel. Es ist ein fröhlich anmutendes, heiteres und bewegtes Bild. Das Thema ist ganz passend zum Ort, den es schmückt gestaltet – es ziert den Nonnenchor des Klosters, wo sich die Schwestern mindestens vier bis fünf Stunden am Tag aufhalten. Es zeigt, abgesehen vom Jesuskind, einzig Frauen und strahlt eine starke, beschwingte Weiblichkeit aus.

Im unteren Drittel des Bildes stehen siebzehn singende Dominikanerinnen mit fröhlichen, verzückten oder frommen Gesichtern - erkennbar an ihren weißen Ordenskleidern. Den Hintergrund für diese Szene bildet eine Barockkirche, die bis zum oberen Drittel des Bildes reicht. Eine der Nonnen hält ein großes Liedblatt in der Hand auf dem das Salve Regina mit den ersten Notenzeilen deutlich erkennbar ist.

Es handelt sich hierbei um die feierliche Fassung dieses Marienliedes, die nur an Hochfesten gesungen wird. Den Text dieses Liedes soll übrigens Herrmann der Lahme, der aus Altshausen stammt, als Benediktinermönch der Reichenau geschrieben haben. Das Salve Regina wurde bis zum Konzil in allen Mönchs- und Nonnenklöster am Ende der Vesper und zum Abschluß der Komplet gesungen. Heute singen wir es nur noch am Ende der Komplet, der letzten Gebetszeit des Tages. Anschließend besprengt der/die Obere der Klostergemeinschaft jeden einzelnen Mönch bzw. jede einzelne Nonne mit Weihwasser.

Dieser Brauch ist auf dem Gemälde ebenfalls festgehalten. Und zwar befinden sich am unteren Rand des Bildes zwei Engel, von denen der eine den Weihwasserkessel hält, während der andere lustig mit dem großen Aspergil das Weihwasser herumspritzt. Eben dieser hat sich auch als Nonne verkleidet; er hat über seinen Kopf ein blaues Tuch gezogen, so daß es ausschaut, als trage er den Schleier der Dominikanerinnen.

Wem gilt dieser abendliche Lobpreis, den die Nonnen hier singen? Der himmlischen Königin und Schutzherrin des Klosters. Über der barocken Kirche öffnet sich der Himmel und zeigt die thronende Gottesmutter umgeben von vielen Putten, in großer Schönheit und in herrlichem Schmuck.  Wie im Langhausfresko trägt sie ein weißes Kleid mit blauem Umhang, was sie als Gottesgebärerin und Jungfrau auszeichnet. Auch die Mondsichel zu ihren Füßen fehlt nicht (hier in der Form des absteigenden Mondes, normalerweise ist sie in Form des aufsteigenden Mondes gezeichnet). Ihr Haupt schmückt wiederum ein Sternenkranz und zwar kein einreihig angelegter – wie es meist zu sehen ist – sondern ein doppelreihiger. Auf dem Kopf trägt sie ein kostbares Diadem mit Perlenketten. Ein Engel zu ihrer Rechten kommt ihr mit einer schönen goldenen Krone auf einem Kissen entgegen. Eine der Putten zeigt mit ausgestrecktem Finger, daß diese Kostbarkeit für Maria bestimmt ist. Mit ihrem rechten Arm umfängt die Jungfrau das Jesuskind, das ihr Zepter in Händen hält, als wolle es damit spielen. Doch wahrscheinlich hat diese unscheinbare Geste einen tieferen Sinn: Denn aller Lobpreis, den die Schwestern siebenmal am Tag in ihrem Chorgesang darbringen gebührt letztlich dem Sohn Mariens, Jesus Christus. Die Nonnen vereinen sich in ihrem Lobgesang mit Maria und gehen nach ihrem Vorbild und unter ihrem Schutz den Weg der Nachfolge Christi.

Texte: Sr.Kornelia Kreidler OSB, Priorin

© Kloster Habsthal










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