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Quelle: Schwäbische Zeitung vom 03.05.2014

Schwestern entlarven Klosterklischees

Benediktinerinnen öffnen am Samstag, 10. Mai, die Türen zum Kloster Habsthal
Von Julia Freyda 3. Mai 2014

Klosterklischees

Beim Tag des offenen Klosters in Habsthal können Besucher sich am Stundengebet beteiligen. Foto: Julia Freyda

HABSTHAL - Am ersten bundesweiten „Tag der offenen Klöster“ können Besucher hinter Türen schauen, die ihnen sonst in der Regel verschlossen bleiben. Auch das Kloster Habsthal lädt dazu ein, am Samstag, 10. Mai, hinter die Mauern zu schauen. „Wir möchten einen realistischen Eindruck unseres Lebens und vor allem auch der Religiosität geben. Denn gewisse Fernsehserien verstärken eher nur Klischees“, sagt Priorin Kornelia Kreidler.

Seit 1259 leben hinter den dicken Mauern des Habsthaler Klosters Ordensangehörige. Zunächst Dominikanerinnen, 1891 zogen die Benediktinerinnen ein. Zwischen den Weltkriegen lebten bis zu 60 Schwestern im Kloster. Nun sind es noch vier, ein Pater und eine Mitbewohnerin. Ein besonderes Programm mussten die Schwestern um Priorin Kornelia Kreidler und Pater Pius sich dazu nicht einfallen lassen. Denn es orientiert sich am Klosteralltag. „Die Gottesdienste geben uns die Struktur vor und daher haben wir sie als Eckpunkte gewählt. Dazwischen können die Besucher Kloster und Gelände in Augenschein nehmen und mit uns ins Gespräch kommen“, sagt die Priorin. Ihre Hoffnung: Mit diesem Angebot ist für Menschen die Hemmschwelle geringer, überhaupt mal ins Kloster zu kommen. Veranstaltungen wie der Adventsmarkt locken zwar viele Besucher, aber dabei sind viele Bereiche des Klosters nicht zugänglich und das Leben der Ordensschwestern steht auch nicht im Mittelpunkt. Am 10. Mai gibt es daher Einblicke, die sonst nur Gäste oder Besucher einer Führung bekommen.

Ausstellung im Kapitelsaal

Beispielsweise die ehemalige Küche, in der noch alte Gerätschaften stehen, Porzellan und Geschirr ausgestellt sind. Gekocht wird dort übrigens nicht mehr. Dafür gibt es mittlerweile eine moderne Einrichtung. Im Kapitelsaal sind derzeit ebenfalls Gegenstände aus dem Kloster ausgestellt: unter anderem reich verzierte Textilien, Siegel und Wappen, Stickarbeiten, alte Dokumente. „In der Regel ist der Kapitelsaal ein bedeutender Raum. Dort werden wichtige Besprechungen abgehalten oder Verstorbene aufgebahrt. Aber wir bringen derzeit die Ausstellungsstücke hier unter“, erläutert die Priorin. Der sonst übliche Klosteralltag ist von sehr viel mehr Gebets- und Meditationszeiten geprägt. Beginn ist um 6 Uhr mit der Vigil. Es schließen sich den ganzen Tag über zu festen Zeiten Stundengebete, geistliche Lesungen oder Bibelstudien an. Um 19.30 Uhr schließt der Tag mit der Complet. Vor- und nachmittags widmen die Schwestern sich mehrere Stunden ihren Arbeiten etwa in der Näherei oder dem Garten. „Mit dieser Struktur und den Gebeten ist es uns möglich, dass wir uns auf Gott ausrichten und uns nicht im Getriebe des Arbeitsalltags verlieren“, sagt Kornelia Kreidler. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Stille. Um eine tiefe Beziehung zu Gott zu finden, müsse man selber zur Ruhe kommen. „Das geht nicht, wenn um uns alles hektisch und unruhig ist“, sagte die Priorin. Dass diese Stille am Tag des offenen Klosters unterbrochen wird, nehmen die Schwestern gerne in Kauf. Denn er sei eine gute Möglichkeit, das Kloster als Ort der Religiosität ins Bewusstsein zu rücken.

© Kloster Habsthal










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