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Quelle: Schwäbische Zeitung vom 03.06.2016

Kloster spiegelt Lebensgeschichten wider

Rundgang durch das Kloster Habsthal - Architekt Bruno Siegelin erläutert Sanierun
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Von Christina Maria Benz 3. Juni 2016



Architekt Bruno Siegelin, Priorin Kornelia Kreidler und Kreisarchivar Edwin Ernst Weber erläutern bei einem Rundgang durch das Kloster Habsthal dessen Baugeschichte und die jüngste Sanierung. Foto: Christina Maria Benz

Habsthal - Im Rahmen des Kulturschwerpunktes 2016 im Landkreis Sigmaringen haben Priorin Kornelia Kreidler und Achitekt Bruno Siegelin am Mittwochabend durch das Kloster Habsthal geführt. Der Fokus lag dabei auf der Baugeschichte und der jüngsten Sanierung des Klosters.

Das Oratorium sei ihr liebster Raum, ließ Priorin Kornelia Kreidler die Besucher wissen. Dort könne sie die Klostergemeinschaft intensiv erleben. Diese benediktinische Gemeinschaft besteht aktuell aus noch zwei weiteren Schwestern. Den drei Frauen biete, gemeinsam mit sporadischen Gästen, das fast 800 Jahre alte, weitläufige Kloster nicht nur Raum für ihr spirituelles Leben, sondern vor allem auch ein Zuhause.

"So ist es naheliegend, durch Sanierungsmaßnahmen historisches Erbe für die Nachwelt und zeitgemäße Nutzung des altehrwürdigen Hauses für die Klostergemeinschaft zusammenzuführen und in die Zukunft zu leiten", begründete Kreisarchivar Edwin Ernst Weber in seiner Ansprache das Projekt. "Und dies stellte für uns die planerische und bauliche Herausforderung dar", sagte Architekt Bruno Siegelin. Es habe sich zunächst die Frage gestellt, wie sich der Erhalt der baugeschichtlichen Substanz im Sinne der Denkmalpflege mit der alltäglichen Nutzung durch die Schwestern zusammenführen lasse. Das Gebäude spiegle die unterschiedlichen Lebensgeschichten des Klosters wider. Jede einzelne finde sich sowohl in den jeweiligen Baumaßnahmen, als auch in Form sichtbar unterlassener Unterhaltsarbeiten wieder. Seit der Grundlegung des am St. Galler Klosterplan orientierten Bauwerks im Jahre 1259 traten diese in Etappen auf.

Nutzungen hinterlassen Schäden

Unter anderem ein Brand, der Dreißigjährige Krieg sowie die Nutzung als Lehrerbildungsanstalt, Waisenhaus und Gefängnis hinterließen im Laufe der Jahrhunderte nicht nur geschichtliche, sondern vor allem bauliche Einflüsse und Schäden an der Architektur. "Konzipiert wurde das Haus für die Aufnahme von maximal 25 Schwestern", erzählte die Priorin. "Aufgenommen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg über einen längeren Zeitraum auch einmal mehr als die doppelte Anzahl."

So erlitt das Kloster strukturelle Schäden. Diese finden sich sowohl in der Statik, als auch in den hochwertigen Stuckarbeiten des Hauses, da Wände abwechselnd hochgezogen oder abgebrochen wurden. Das Dach sei bereits seit langer Zeit renovierungsbedürftig gewesen. Unterhaltsarbeiten nahmen jeweiligen Bewohner einerseits aus finanziellen Gründen, andererseits wohl auch aus Unwissenheit jeweils lediglich rudimentär vor. Diese so entstandenen Drucklasten verursachten teilweise erhebliche Schäden am Mauerwerk, erläuterte Siegelin. Über Jahrhunderte hinweg habe sich auch die Feuchtigkeit durch die nur schwer zu beheizenden Räume gearbeitet.

Die drei Benediktinerinnen beleben die Klosterräumlichkeiten gemäß der Tradition, die aus ihrer Spiritualität resultieren. "Deren größter Wunsch war es, diese Tradition weiter pflegen zu können. So entstand das architektonische Ziel, das ursprüngliche Raumnutzungssystem wieder lebenswert zu aktivieren", sagte Siegelin. Mit größter Sorgfalt habe das Team die Statik des Hauses optimiert, Altes zur zeitgemäßen Nutzung restauriert und wieder zum Leben erweckt. Strom und Wasser wurden den Sicherheitsrichtlinien angepasst, einige Zellen wurden mit kleinen Bädern ausgestattet, um auch den älteren Schwestern und Gästen den Alltag zu erleichtern. "Bis zur Sanierung hatten die Schwestern Waschschüsseln auf den Zimmern", berichtete Schwester Kornelia. Sie habe darauf bestanden, lediglich der Nutzung geschuldete Bauarbeiten vorzunehmen sowie Vorkehrungen, die zur Erhaltung des Kulturgutes für die folgenden Generationen dienen sollen.

"Übliche Mängel, die während oder erst nach der Bauphase ersichtlich wurden, wie Risse in der Wand oder an Balken, werden nun beobachtet und nach zwei Jahren, wenn sie zum Stillstand gekommen sind, behoben", sagte Siegelin. Finanziert wurde die Sanierung durch öffentliche Gelder, den Gemeinden Mengen und Ostrach, den Bund, den Förderverein des Klosters und der Wüstenrotstiftung, Denkmalstiftungen sowie aus eigenen Mitteln des Klosters. Die Renovierung der Fenster, der Außenmauern, die Optimierung von Wasser und Heizung stehen noch aus, schloss Siegelin seine Erläuterungen.

© Kloster Habsthal










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