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Quelle: Schwäbische Zeitung vom 07.09.2007

In der Ruhe wächst gestalterische Kraft

OSTRACH/HABSTHAL - Zu einer beeindruckenden Ausstellung laden die Benediktinerinnen im Kloster Habsthal bei Ostrach ein. Kostbarkeiten aus dem Klosterleben und Schätze der Paramentenkunst zeugen von den Blütezeiten vergangener Jahrhunderte. Als Beitrag zum Schwerpunktthema des Kreiskulturforums "Bräuche und Traditionen im Landkreis" haben Schwester Kornelia und Waltraud Selg, Leiterin der Sektion Brauchtum im Kreiskulturforum, eine Menge an Kostbarkeiten aus Schubladen, Schränken, Zellen und dem Dachboden geborgen und zusammengetragen.

Als Beitrag zum Schwerpunktthema des Kreiskulturforums "Bräuche und Traditionen im Landkreis" haben Schwester Kornelia und Waltraud Selg, Leiterin der Sektion Brauchtum im Kreiskulturforum, eine Menge an Kostbarkeiten aus Schubladen, Schränken, Zellen und dem Dachboden geborgen und zusammengetragen. "Klösterlicher Alltag und Jahreskreis waren geprägt von vielen Traditionen. Auch trugen die Benediktinerinnen dazu bei, Traditionen in der Region zu bereichern", erklärt Schwester Kornelia die Vielfalt der Kostbarkeiten, die im Haus lagern.

In Küche, Refektorium (Speisesaal), Kapitelsaal und Stickzimmer des Klosters - die Anfänge gehen auf das Jahr 1259 zurück - liegen unzählige Exponate thematisch geordnet. "Wir haben nur wenige Gegenstände ausleihen müssen. Wir konnten aus dem immensen Fundus des Klosters schöpfen. Alles war so behutsam verpackt und verstaut, dass weder Stoffe noch Farben gelitten haben", berichtet Schwester Kornelia. In der Küche entdecken die Besucher eine festlich gedeckte Tafel und kostbares Geschirr. Auf Ablagen finden sich Silber, Zinn, kupferne Kuchenformen, Porzellan und handgeschriebene Kochbücher. Hier zeigen die Klosterfrauen, wie die Gemeinschaft Alltag, Fastenzeit und Feste gestalteten. Heute wird in der großen Küche nicht mehr für die kleine Frauengemeinschaft gekocht.

Das frühere Refektorium ist Arbeiten aus Kunst und Spiritualität gewidmet. Musikinstrumente wie Geigen, Mandolinen und handgeschriebene Notenhefte belegen das rege musikalische Leben. Begabungen wurden im Kloster gefördert. Daneben liegen Kreide-Farben, Pinsel und Kalligraphie-Utensilien. Schwester Mechthildis besuchte in den 1930er Jahren die Kunstakademie in München mit dem Schwerpunkt Textilien und genoss eine Ausbildung zur Künstlerin. Von ihr sind schöne Blumenbilder erhalten. Auf dem nächsten Tisch liegen die Eisen und Stanzen der ehemaligen Hostienbäckerei, damals ein Wirtschaftszweig des Klosters. Die Klosterfrauen beherrschten das aufwendige Herstellungsverfahren und belieferten die umliegenden Kirchengemeinden mit Hostien. "Als die Schwester erkrankte, stellten wir die Produktion ein. Eine rentable Produktion würde Investitionen erfordern, die nicht mehr zu leisten sind", erklärt Schwester Kornelia, eine der noch vier Ordensschwestern, die im Kloster leben. Der Kapitelsaal beherbergt die Paramentenkunst, das heißt der liturgischen Kleidung und Ausstattung. Hier offenbart sich dem Besucher eine luxuriöse Welt aus Seide, Goldfäden und Perlen. Messgewänder, Stolen, Kelchvelen, und Bursen in den unglaublichsten Farben und Bildern beeindrucken durch die hohe Qualität der künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten.

"Die Arbeiten zeigen auch die Beschaulichkeit und tiefe Gottesbeziehung der Frauen. Nur wer die Bibel intensiv liest, von Spiritualität durchdrungen ist und in der klösterlichen Beschaulichkeit arbeitet, trägt ein solches Bild der göttlichen Fülle in sich und kann diese Farbenpracht entwickeln und umsetzen", sagt Schwester Kornelia. Im ersten Stock steht das Stickzimmer den Besuchern offen. Es ist hier, als ob die Zeit stehen geblieben sei. "Auch hier ist noch alles da. Faden in allen Farbnuancen, eine Goldwaage, um den Goldfadenverbrauch in Rechnung stellen zu können, Stickrahmen und Muster", freut sich Waltraut Selg. Die Herstellung der Paramente - dafür war Habsthal bekannt - ist Schritt für Schritt in allen Details dokumentiert und ab Samstag zu sehen.

© Kloster Habsthal










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