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Quelle: Schwäbische Zeitung vom 09.05.2015

Dokumentation über das Kloster Habsthal - Kinopremiere am Samstag in Weingarten

Von Barbara Baur 9. Mai 2015



Schwester Kornelia, Priorin im Benediktinerinnenkloster Habsthal, ist gespannt auf die Reaktion der Zuschauer auf den Film "Silentium". Foto: bbb


Ostrach - Der Regisseur und Buchautor Sobo Swobodnik hat einen Dokumentarfilm über das Benediktinerinnenkloster "Unserer Lieben Frau" in Habsthal und seine Bewohner gedreht. Der Film mit dem Titel "Silentium - Vom Leben im Kloster" kommt am Samstag ins Kino. Die Premiere beginnt um 19 Uhr im Kulturzentrum Linse in Weingarten. Sobo Swobodnik und Priorin Kornelia werden dabei sein und nach der Filmvorführung für ein Gespräch zur Verfügung stehen.

Im Mittelpunkt des Films stehen die Bewohner des Klosters: Priorin Kornelia und ihre Mitschwestern Hildegard, Lidwina und Walburga sowie Pater Pius, der ebenfalls im Kloster Habsthal lebt. Um sich auf die Dreharbeiten vorzubereiten, ist der Regisseur für einige Tage ins Kloster eingezogen. "Das war eine Bedingung", sagt Priorin Kornelia. "Man kann ja kaum etwas zeigen, von dem man gar nichts weiß." Erst nach einigen Tagen habe der Swobodnik angefangen, zu filmen. "Am Anfang war das schon gewöhnungsbedürftig, aber er hat sich unauffällig verhalten und dann haben wir uns schnell an die Kamera gewöhnt", sagt sie. Ein Vorteil sei gewesen, dass sich die Schwestern und der Pater ganz normal bewegen konnten. "Wir mussten keine Situationen stellen", sagt die Ordensschwester.

Regisseur lebt bei den Schwestern

Der Film zeigt das Leben im Kloster. "Sobo Swobodnik hat alles gefilmt, unseren ganzen Alltag", berichtet Priorin Kornelia. Eine Rohfassung des Films hat sie vorab gesehen. Daher weiß sie, worauf der Regisseur einen Schwerpunkt gelegt hat. "Er zeigt vor allem die Elemente der Stille. Der Fokus liegt auf unserem geistlichen Leben und den Gebeten", sagt sie. Gerade das Geistliche, das was das Leben im Kloster vom Leben der Menschen vor der Pforte unterscheidet, sei allerdings schwierig darzustellen. "Es ist immateriell, deswegen beschäftigen sich viele Filme über Klöster mit äußeren Dingen wie den klösterlichen Werkstätten oder dem Kräutergarten", sagt die Priorin. Deshalb bleiben diese Darstellungen an der Oberfläche. Denn das, was ein Kloster ausmache, sei das geistige Leben. Die Gebete prägen den Alltag der Schwestern: Sie nehmen gut fünf Stunden eines Tags ein. "Aber man kann nur wenig davon mitteilen. Es sind Erfahrungen, die man selbst machen muss", sagt die Geistliche, die seit 22 Jahren im Kloster Habsthal lebt.

Immer wieder machen sie und ihre Mitschwestern die Erfahrung, dass viele Menschen gar nicht wissen, was es mit einem Leben im Kloster auf sich hat. "Manche, die sich am Telefon verwählen und bei uns rauskommen fragen, was ein Kloster ist", sagt Priorin Kornelia. An der Fasnet haben ihr Jugendliche in Sigmaringen einmal anerkennend hinterhergepfiffen. "Sie dachten offensichtlich, mein Habit sei ein Kostüm", sagt sie. Aus diesem Grund sei der Dokumentarfilm eine gute Möglichkeit, der Öffentlichkeit einen Einblick ins klösterliche Leben zu geben.

Dokumentation zeigt Innenleben

"Sobo Swobodnik ist ein guter Beobachter", sagt Priorin Kornelia. Der Filmemacher lässt in "Silentium" die Bilder und die Akteure für sich sprechen. "Er hat sich selbst zurückgenommen und kommentiert die Aufnahmen nicht", sagt sie. Zu Wort kommen nur die Klosterbewohner. Ein Manko hat der Film nach Ansicht der Priorin. Er ist in blassen Farben gehalten, beinahe schwarz-weiß. "Er ist etwas düster und hat eine gewisse Schwere", sagt sie. Das sei aber nicht ganz zutreffend. "Das Leben hier ist schon viel bunter."

Vor zwei Jahren hat sich der Regisseur ans Werk gemacht und drei Wochen lang in Habsthal gedreht. Seither ist die Gemeinschaft im Kloster kleiner geworden: Im März ist Schwester Lidwina, eine der Mitwirkenden, an einem Gehirntumor gestorben. Sobo Swobodnik widmet ihr den Film.

Der Regisseur und das Kloster

9. Mai 2015
Sobo Swobodnik, geboren 1966, stammt aus der Nähe von Neresheim auf der Schwäbischen Alb. Er ging in Aalen zur Schule. Heute arbeitet er als Schriftsteller und Filmemacher. Er schreibt Kinder- und Jugendbücher, Erzählungen und Romane. Als Filmemacher dreht er Spielfilme, Dokumentationen und Kurzfilme. Für sein Porträt über Hermes Phettberg erhielt er 2012 den Max-Ophüls-Preis für den besten Dokumentarfilm. Auf das Kloster Habsthal bei Ostrach ist Swobodnik bei seinen Recherchen für das Projekt "Albschreiber" gestoßen, aus dem das Buch "Dem Himmel ganz nah" hervorging. Seither pflegt er Kontakt zu den Schwestern.

© Kloster Habsthal










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