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Quelle: Schwäbische Zeitung vom 11.08.2014

Blüten sind herrliche Farbstoffe

Im Kloster Habsthal erfahren Besucher vieles über das Färben und Heilen mit Pflanzen

Von Vera Romeu 11. August 2014

Färben und Heilen

Es müssen nicht immer die Farbstifte sein: Die Kinder haben ihre Bilder mit Blüten gemalt. Fotos: vera romeu

HASTHAL - Es hat viel zu sehen gegeben an diesem Thementag "Pflanzen, Blüten und deren Produkte", zu dem die Benediktinerinnen und die ehrenamtlichen Helferinnen von Kloster Habsthal eingeladen hatten. Der Rundgang durch Klosterladen, Flur und Wollwerkstatt war unterhaltsam und informativ.

Im Klosterladen bot ein langer Tisch eine schöne Auswahl von Produkten, die aus Pflanzen hergestellt werden. In Körben lagen die Heilkräuter Beinwell, Kamille und Ringelblumen aus, die als heilend in den Salben aus der Erzabtei Beuron wirken. Kompetent erläuterte Doris Danner die Wirkung des großen Beinwellblatts, auch unter dem englischen Namen Comfrey bekannt. Schmerzen im Bewegungsapparat oder an den Füßen nach einer langen Wanderung werden mit Beinwell gelindert. Auch Tiere fressen Beinwellblätter, wenn sie sich Prellungen zugezogen haben. Schließlich könne das zerknüllte Beinwellblatt in das Pflanzloch der Kartoffel beigelegt werden, um sie gegen Käfer zu stärken, berichtete Danner.

Mit einer Kompostierhilfe entsteht fruchtbarer Humus

Auf dem Tisch wurden auch die pflanzlichen Produkte der Fuldaer Benediktinerinnenabtei zur Heiligen Maria präsentiert. Gerade die Kompostierhilfe sei sehr wirksam und sorge für eine schnelle Umsetzung des Kompostes in fruchtbaren Humus für den Garten, erklärte Doris Danner.

Pflanzen und Blüten stehen natürlich im Mittelpunkt des Honigs, der aus den Bienenstöcken des Klosters gewonnen wird. Der ganz helle Frühlingshonig und der blonde Sommerhonig sind darauf angewiesen, dass es in der Landschaft blüht. "Das hohe Vorkommen von Mais ist für die Imkerei ein Problem geworden", sagt Danner. Im Honig kommt die ganze Fülle der blühenden Pflanzen zusammen. Mit der Zugabe von Rosinen wird der sommerliche Honig noch köstlicher.

Im Flur bot Christa Eitelmann-Steinborn die Farben der Blüten zum Malen an. In Sträußen hielt sie allerlei bunte Blumen bereit und lud die Kinder dazu ein, damit zu malen. "Man braucht keine Stifte zum Malen. Blumen geben wunderbare Farben ab", sagte sie. Das kräftige Grün der Minze, das warme Violett der Malve, das schöne Blau der Kornblume, das heftige Gelb der Tagetes erfreuten die Kinder am Maltisch. Sie durften ausprobieren, wie Blüten färben und wurden manchmal überrascht, wie kräftig manch unscheinbare Blüte dann doch ausfällt.

In der kleinen Werkstatt, in der die Wolle der Klosterschafe verarbeitet wird, zeigte Hildegard Igel, mit welchen Pflanzen Wolle gefärbt wird. Es ist uraltes Wissen, was sie den Besuchern bot. Mit der Waidpflanze wird in einer langwierigen und komplizierten Prozedur die Wolle blau gefärbt. Die Wollstränge werden in die Tinktur gelegt, sie saugen die Farbe auf. Danach muss die Wolle gewaschen werden, bis sie keine Farbe mehr abgibt. Dann ist sie farbecht. Die ersten Stränge werden intensiv blau, die weiteren bleiben heller.

Rot wird aus der Wurzel der Krapp-Pflanze hergestellt. Sie sieht aus wie groß und kräftig gewachsenes Labkraut. Die Wurzel wird gemahlen. Mit der Tinktur wird bei den ersten Färbdurchgängen ein intensives Rot erreicht, bei den späteren Durchgängen ein immer helleres. "Legt man diese hellrote Wolle in gelbe Farbe, bekommt man orangefarbene Wolle", erklärt Hildegard Igel. Stoffe in orange und grün waren früher Luxus, weil dafür zweimal gefärbt werden musste. Gelb war die Farbe der einfachen Leute, weil die Tinktur leicht herzustellen war.

Mit Birkenlaub, Zwiebelschale, Schafgarbe, Johanneskraut und Ringelblumen lassen sich Gelbtöne herstellen. Rötliche Brauntöne werden aus den Tannenzapfen gewonnen. Die vielen Wollknäuel, die Hildegard Igel mit pflanzlichen Farben hergestellt hat, liegen in der Werkstatt aus und können weiterhin erworben werden.

© Kloster Habsthal










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