Links  Impressum   Datenschutz
Quelle: Schwäbische Zeitung vom 12.05.2014

Schwestern räumen falsche Vorstellungen beiseite

Die Benediktinerinnen im Kloster Habsthal sind vom großen Interesse an ihrem Alltag begeistert

Von Vera Romeu 12. Mai 2014

Rund 70 Besucher kommen anlässlich des bundesweiten Tags der offenen Klöster nach Habsthal.

offenen Kloster


HABSTHAL - Viele interessierte Besucher aus einem weiten Einzugsgebiet zwischen Neckar und Bodensee sind anlässlich des bundesweiten Tags der offenen Klöster am Sonntag zu den Benediktinerinnen nach Habsthal gekommen. Priorin Cornelia Kreidler OSB freute sich vor allem darüber, weil das kleine Kloster immer noch zu unbekannt sei. "Der Tag des offenen Klosters ist eine gute Möglichkeit, das Klosterleben wieder ins Bewusstsein der Leute zu rücken", sagte sie. Anders sei es zum Beispiel beim Adventsmarkt oder beim Sommerfest. Dann stehe eher das Unterhaltsame im Vordergrund.

Als die Gäste um 12 Uhr ankamen, begaben sich die Klosterfrauen mit ihnen auf die Empore und beteten das Stundengebet. Cornelia Kreidler erklärte die Herkunft und den Sinn des Gebets: Das Stundengebet sei ursprünglich das Gebet der Gemeinde. Die Christen seien zusammengekommen, um zu beten. Doch in den Klöstern sei das Stundengebet so ausgebaut worden, dass es für die Laien zu viel wurde. Sie hätten bei Tagesanbruch und am Abend nur noch den "Engel des Herrn" gebetet. Gemeinsam beteten und sangen die Benediktinerinnen mit ihren Besuchern die Psalmen. Die schöne Akustik des Nonnenchors klang ausgesprochen voll. Das Stundengebet wird nicht als Last empfunden, sondern als etwas, was den Menschen effektiver macht - weil er immer Abstand von der Arbeit nimmt. "Es erfrischt den Geist, verhindert den Burnout", sagt Cornelia Kreidler. Nach dem Stundengebet gingen mit ihr rund 70 Besucher durch die Räume und damit auch die Geschichte des Klosters.

Im Alltag sind die Habsthaler Benediktinerinnen eine kleine Gemeinschaft von vier Frauen. Ihr Tagesrhythmus ist vom gemeinsamen Gebet geprägt. Um 6 Uhr beten sie die Vigil, danach folgt eine stille Zeit mit Meditation oder Lektüre. Um 7 Uhr schließen sich Eucharistiefeier und Laudes an. Zwischen 8 und 11.45 Uhr wird gearbeitet, dann nehmen sich die Schwestern wieder Zeit für das stille Gebet und um 12.45 Uhr wird gemeinsam die Mittagshore gebetet. Anschließend essen die Benediktinerinnen in Stille zusammen.

Um 17 Uhr ist wieder Zeit für das stille Gebet und um 17.30 Uhr beten die Schwestern gemeinsam die Vesper. Nach dem Abendessen gibt es eine gemeinsame Erholungszeit, in der gesprochen, gespielt oder auch mal ein Film angeschaut wird. Um 19.30 Uhr beten die Benediktinerinnen das Komplet und dann geht der Tag zu Ende, es tritt das große Stillschweigen im Kloster ein. Es ist die Zeit der Muße, des persönlichen Gebets, der Lektüre oder des Briefeschreibens.

Klöster werden wieder interessanter, auch als Lebensform. "Männer haben bereits verstanden, dass Karriere nicht alles ist. Da gibt es wieder mehr Berufungen. Frauen stehen noch mitten drin in der Freude am Beruf", sagt Cornelia Kreidler. Viele Menschen hätten falsche Vorstellungen vom Leben im Kloster: Es sei ein interessantes Leben, mit einer weltweit dichten Vernetzung, sagt Kreidler. "Wir sind nicht hinter Mauern, sondern mitten in der Welt. Und führen ein aktives geglücktes Leben." Spiritualität sei eine Begabung wie Musik oder Sport. Sie werde ausgebildet, geübt und trainiert.

Im Kloster Habstal können sich Frauen jeden Alters - ob Studentinnen, Auszubildende oder anderweitig Berufstätige - niederlassen und für ein paar Tage mit leben, arbeiten und beten. Die Gemeinschaft sei eine gute Erfahrung, sagt Cornelia Kreidler. In der letzten Zeit sei es für sie nicht einfach gewesen, ein geregeltes Leben zu führen. Die Sanierung des Klosters habe sie oft sehr in Anspruch genommen. Doch gerade die Gemeinschaft und das Stundengebet hätten ihr Kraft und Ruhe gegeben.

© Kloster Habsthal










Counter script