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Quelle: Südkurier vom 13.05.2015

Silentium“: Film über Leben im Kloster Habsthal geht unter die Haut

Premiere von „Silentium“ im Programmkino Linse in Weingarten: Regisseur Sobo Swobodnik dokumentiert das Klosterleben in Habsthal.

Von Karlheinz Fahlbusch vom 13.05.2015



Priorin Kornelia Kreidler und Regisseur Sobo Swobodnik beantworten Fragen des Publikums. Priorin Kornelia Kreidler und Regisseur Sobo Swobodnik beantworten Fragen des Publikums. Bild: Karlheinz Fahlbusch

In Klosterfilmen aus jüngerer Zeit geht es meistens sehr unterhaltsam zu („Sister Act“) oder es wird jemand ermordet. Im Streifen „Silentium“ steht das Gebet im Vordergrund. Und das Leben hinter den Mauern, die vielen Menschen verschlossen sind, denjenigen, die dahinter wohnen aber einen ganz besonderen Bezug zu Gott ermöglichen. Am Samstag hatte der Film „Silentium“ über das Kloster Habsthal im Kulturkino Linse in Weingarten Premiere. Und wer die Linse kennt, der weiß, dass es dort bei der Auswahl von Filmen um Qualität und nicht um Quote geht.

Über fünf Stunden am Tag wird gebetet. Dazwischen gibt es jede Menge Arbeit. Pater Pius muss die Schafweide von Brennnesseln säubern, eine Schwester kümmert sich um das Essen, in der Nähstube entsteht ein neuer Habit für den Pater und Priorin Kornelia Kreidler klärt Termine ab, führt Telefonate und arbeitet mit dem PC. „Ora et Labora“ heißt die Regel der Benediktinerinnen. „Bete und arbeite“ bestimmt auch im Kloster Habsthal den Tag. Wobei die Zwiesprache mit Gott das größte Gewicht hat. Regisseur Sobo Swobodnik hat mehr durch Zufall das entdeckt, was vielen Menschen leider verborgen bleibt: Stille, Ruhe und eine Lebensart, die von gegenseitigem Respekt und Liebe geprägt ist. Der Film schildert den ganz normalen Alltag im Kloster. Für den Außenstehenden ist Normalität etwas anderes. „Als ich hier ins Kino kam, da war ich gedanklich und nervlich auf 180, jetzt bin ich auf 60“, sagte eine Besucherin mit einem völlig entspannten Gesichtsausdruck. Kann ein Film innere Ruhe vermitteln? „Silentium“ kann es. Und deshalb ist der Titel auch Programm. Vielleicht das Programm, um über die eigene Lebensart nachzudenken. Dieser Film geht unter die Haut, zieht den Betrachter hinein in ein Leben, das real aber doch für viele so fern ist.

Swobodnik hat selbst gefilmt. Aus seinen rund 55 Stunden Material hat er einen 84-minütigen Zusammenschnitt gemacht. Er hat ungewöhnliche Perspektiven genutzt, spielt bewusst mit Schärfe und Unschärfe – und er lässt Farben weitgehend außen vor, indem er den Film entsättigt hat. Er hat den ganzen Tagesablauf mitgemacht. „Auch das Beten“, macht er im Gespräch mit dem SÜDKURIER deutlich. Die anfängliche Zurückhaltung der – bis auf die Priorin – doch schon sehr alten Nonnen – hat sich im Laufe der Tage in eine Akzeptanz verwandelt.

Ist Priorin Kornelia mit dem Film zufrieden? „Ja und nein“, antwortet sie auf eine Frage aus dem Publikum. Ihr erscheint der Film stellenweise etwas düster. Doch so sei das Leben im Kloster doch gar nicht. Und gar nicht gefallen hat ihr die Musik zum Schluss. Doch da war sie nicht alleine. Einig war sich das Publikum in der Gesamtbewertung: Ein toller Film, der unter die Haut geht. Und der Mut macht, vielleicht auch einmal ein paar Tage im Kloster zu verbringen. Habsthal bietet übrigens diese Möglichkeit.

„Silentium“ läuft ab 14. Mai in 40 Städten in ganz Deutschland. So auch in Bad Saulgau und Albstadt.

© Kloster Habsthal










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