Links  Impressum   Datenschutz
Quelle: Schwäbische Zeitung vom 15.04.2014

Bei den Benediktinerinnen erklingen die Worte Jesu intensiver

Das Konzert des Hübner-Quartetts ist ein musikalisches und ein geistliches Erlebnis
vr 15. April 2014

Konzert

Das Hübner-Quartett bringt in Habsthal die "Sieben letzten Worte des
Erlösers am Kreuz" von Joseph Haydn zur Aufführung. FOTO: VERA ROMEU


Das Hübner-Quartett bringt in Habsthal die "Sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz" von Joseph Haydn zur Aufführung. Foto: Vera Romeu
HABSTHAL - Es ist vielen Zuhörern schwergefallen, am Ende des Konzerts die intensive Stimmung durch lauten Applaus zu zerstören: Doch dann durchbrachen klatschende Hände die Zurückhaltung, um den Musikern des Ravensburger Hübner-Quartetts verdientermaßen zu danken. Die Aufführung der "Sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz" von Joseph Haydn hatte das Publikum so ergriffen, dass am Ende der Aufführung alles andere als Stille für unpassend empfunden werden musste.

Zum Auftakt der Karwoche hatte der Freundeskreis des Habsthaler Klosters zu diesem Konzert eingeladen. Die "letzten sieben Worte Jesu" sind die in der Bibel überlieferten Sätze, die Jesus am Kreuz noch gesprochen habe. Das Hübner-Quartett ließ die Worte Jesu von einer Frauenstimme vortragen, bevor es den dazugehörenden musikalischen Satz spielte. Natürlich lag in der Stimme aber auch ein Teil Interpretation. Stille zwischen den Sätzen hätte die Kraft der Musik, die Souveränität des Spiels und die spirituelle Hingabe nicht unterbrochen. Das Hübner-Quartett musizierte stringent in den Tempi und transparent in der Stimmführung. "Vater, Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", ruft Jesus nachdem er gekreuzigt wurde. Und das Hübner-Quartett setzte ein, die Streicher riefen warmherzig um Gottes Gnade. Helle und dunkle Klangfarben stiegen wie inniges Gebet im Kirchenraum empor.

"Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein", versprach Jesus einem der Verbrecher, der an seiner Seite gekreuzigt wurde. Dunkel pochend schweiften die Gedanken um dieses Versprechen, dunkles Pizzicato trug diese Gedanken. Eine helle Arie erzählte vom Paradiese. Wundervoll musizierte das Quartett.

Zuhörer sind tief ergriffen

Kurz vor dem Tod vertraute Jesus seine Mutter, die am Kreuze stand, seinem Lieblingsjünger Johannes an: "Frau, siehe, da deinen Sohn. Siehe da deine Mutter", sagte er zu Johannes. Darauf erklang weich der getragene Satz, dem die Musiker die ganze Zuneigung, die darin mitschwingt, hineinlegten. Eine pathetische Feierlichkeit legten sie in den Satz "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" hinein. Wie Tropfen mutete das bewegte Pizzicato an, die Worte "Mich dürstet" hat Haydn im Auftakt des musikalischen Satzes fast lautmalerisch eingeschrieben. Tiefe Tragik und gleichzeitiges sanftes Strahlen der Verheißung verbanden sich in das schwermütige "Lento" des Satzes "Es ist vollbracht".

Eine große Ergriffenheit ging vom Spiel des Hübner-Quartetts aus, sie mündete im Satz "Vater, in deinen Händen empfehle ich meinen Geist!". Erschüttert saßen die Zuhörer am Ende da, als das vom Hübner-Quartett meisterhaft gestaltete "Presto" des "Erdbebens" erklang.

Es dauerte lange, bis Hände zögerlich zum Applaus ansetzten.

© Kloster Habsthal










Counter script