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Quelle: Südkurier vom 16.06.2014

Author Nicole Rauscher

OSTRACH
Webmeisterin Hildegard Igel: Spinnen dient vorzüglich zum Stressabbau


Ostrach - Webmeisterin Hildegard Igel erklärt den Umgang mit Spinnrad. Sie bietet Kurse nach dem wachsenden Interesse an Handarbeitskunst an.



Die Webmeisterin Hildegard Igel zeigt Uta Mattes Tricks und erklärt ihr den richtigen Umgang mit dem Spinnrad. Bild: Rauscher

Eine alte Handwerkskunst erlebt durch die Webmeistern Hildegard Igel seine Renaissance: das Spinnen. Im Klosterlädele werden ihre Werke verkauft und durch das steigende Interesse an dieser Handarbeit entschloss sie sich, Kurse anzubieten, um ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterzugeben. In der Sonne genossen die Damen das schöne Ambiente des Klosterhofs und verarbeiteten Schafsflocken zu Zwirn.
Die Teilnehmerin Uta Mattes aus dem Bad Saulgauer Ortsteil Friedberg arbeitet an ihrem ersten Wollknäuel. Für sie ist es Faszination pur, „das geschorene Schaffell so weiterverarbeiten zu können, dass ich mir davon dann eine Jacke stricken kann, während das Tier weiter auf der Weide springt“. Am ersten Kurstag zeigte Hildegard Igel das Waschen, Kardieren und Spinnen mit der Handspindel. Diese gab sie den Teilnehmerinnen mit nach Hause, damit sie weiterüben konnten. „Dann ist der Spinnvorgang geläufig und es kommt nur noch das Treten am Spinnrad dazu“, weiß sie. Darum ging es bei diesem Kursmodul.
Für das Treffen brachte sie schließlich verschiedene Materialien mit: Schaffell, Maulbeer-Seide und einen alten Flachswickel. Dieser sei sehr wertvoll, da er kaum mehr erhältlich ist. „Wenn ich jemanden etwas ganz Besonderes schenken will, dann bekommt er ein Tischtuch aus handgesponnenem Flachs“, verleiht die Webmeisterin ihrer Kostbarkeit in der Hand Ausdruck. Während die Teilnehmerinnen anfingen, ein Gefühl für die richtige Geschwindigkeit am Spinnrad zu erlangen, versicherte die Kursleiterin immer wieder: „Die Schönheit des handgesponnenen Garnes sind die Unregelmäßigkeiten; damit hat es einen Charakter.“
Während das Spinnen früher zur Herstellung von Kleidung, Teppichen, Hand- und Geschirrtücher in vielen Haushalten geläufige Tätigkeiten waren, wird es heute eher zur Erzeugung von speziellen Effektgarnen eingesetzt. „Eben solche Dinge, die man nicht kaufen kann“, fügte Hildegard Igel hinzu. Inzwischen hat Uta Mattes ihr erstes Knäuel aus sogenannter Heilwolle fertig. „Diese ist von biologisch gehaltenen Schafen und die Wolle ist in Regenwasser und nicht in Chemikalien gewaschen“, erklärte Igel, was dahinter steckt. „Daher ist das auch gut für die Haut, da der Lanolin-Anteil sehr hoch ist“. Besonders geeignet sei sie auch für Wickel.
Beste Erfahrungen hat sie bei ihren eigenen Kindern gemacht. „Aus hochwertigster Schafwolle habe ich damals zwölf Höschen gestrickt und sie hatten nie Probleme mit wunden Hintern.“ Es mache Mühe, aber es habe sich durchaus gelohnt. Der Zeitaufwand für Uta Mattes Jacke sei hoch, aber es mache ihr Spaß und verschafft ihr innere Ruhe. „Das Spinnen hilft gut, um Stress abzubauen“, rät die Leiterin. Und ihr persönlicher Tipp ist: „Es wäre sinnvoll, es zu lernen, bevor man in Rente geht. Dann hat man etwas, was einen ausfüllt!“ Und für Mattes ist das Schöne daran „nicht nur das Kreative, sondern auch das gute Gefühl, etwas für sich selbst gemacht zu haben.“ Der nächste Kurs findet auf Anfrage über das Klosterlädele statt zur individuellen Terminvereinbarung.

© Kloster Habsthal










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