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Quelle: Schwäbische Zeitung vom 16.09.2014

Flucht aus Syrien führt nach Habsthal

Khabat Mustafa lebt in Mengen und hilft im Förderverein des Benediktinerinnenklosters




Doris Danner (von links) leitet ehrenamtlich den Klosterladen. Khabat Mustafa arbeitet mit.
Zusammen mit Jan Eckhoff bieten sie den Besuchern und Kunden Kostproben aus fairem Handel. romeu


Ostrach sz
Viele Kunden sind an dem Wochenende in den Habsthaler Klosterladen gekommen, um Produkte aus dem Fairen Handel kennenzulernen und sich darüber zu informieren. Sie haben süßen und würzigen Mangoaufstrich auf kleinen Fladenrauten verkosten dürfen. Jan Eckhoff, evangelischer Pfarrer im Ruhestand, erklärte den Besuchern, worauf es bei Fairem Handel ankommt. Wichtig sei, die Produkte von Handelsunternehmen zu kaufen, die den Bauern tatsächlich einen fairen Preis bezahlen und lokale Projekte unterstützen.

Die Platten mit den schön angerichteten Kostproben hatte Khabat Mustafa, Flüchtling aus Syrien, der in Mengen untergebracht ist, vorbereitet. „Khabat Mustafa arbeitet bei uns im Kloster“, erklärt Doris Danner, die den Klosterladen ehrenamtlich leitet. Danner arbeitet ehrenamtlich im Mengener Asylkreis mit, so hat sie Khabat Mustafa kennengelernt und ihm angeboten, im Kloster gemeinnützig mitzuhelfen. Er hat dankbar eingewilligt. Im klösterlichen Umfeld fühlt er sich wohl. Khabat Mustafa ist Muslim, doch auch in Syrien gebe es Klöster, berichtet er.

Flüchtlinge, die einen Asylantrag gestellt haben, dürfen für gemeinnützige Einrichtungen arbeiten. Khabat Mustafa ist beim Förderverein des Benediktinerinnenklosters beschäftigt. Das Pressegespräch führt er auf Deutsch. Vor vier Monaten ist er in Mengen angekommen. Zweimal die Woche geht er in den Sprachunterricht und spricht schon erstaunlich gutes Deutsch. Nur die Artikel zuzuordnen, das sei schwierig, lacht der junge Mann. Er spricht arabisch und hat in der Schule in Syrien Englisch gelernt.

Khabat Mustafa fährt von Mengen aus die sieben Kilometer mit dem Fahrrad nach Habsthal. „Er ist ganz unabhängig und ist immer da, wenn man ihn braucht“, berichtet Danner. Dies könne drei- oder viermal die Woche sein. „Ich arbeite in der Imkerei mit“, berichtet Khabat Mustafa von seiner Arbeit. Er geht mit in den Wald, um in den klösterlichen Schonungen die kleinen Bäumen vor Wildverbiss zu schützen. „Wir legen Wolle von den Schafen auf die jungen Triebe, damit sie von den Rehen nicht abgefressen werden“, erklärt er. Auch hilft er im Klosterladen mit, gerade an solchen Tagen, an denen besondere Aktionen wie die „Fair-Kostung“ stattfinden. „Khabat war auch da, als Staatssekretär Ingo Rust gekommen ist, um uns bei der Bewirtung zu helfen“, berichtet Danner.

Mitarbeit ermöglicht Kontakte
Der junge Flüchtling geht gern in den Deutschunterricht. Dort lernt er ziemlich schnell. Hilfreich sind natürlich die vielen Begegnungen beim Arbeiten, im Asylcafé, mit den ehrenamtlichen Helfern des Asylkreises und der Caritas. „Eine Arbeit zu haben ist gut. Gegen Langeweile. Man tut etwas. Und man spricht deutsch. Man hat Kontakte zu Menschen“, sagt Khabat Mustafa. Wenn man ihn fragt, was in Syrien anders ist als in Deutschland, dann zählt er spontan auf: die Leute, die Technik, die Freiheit. Es sei hier auch nicht schwer, Kontakt zu Menschen zu bekommen, man könne mit den Leuten auf der Straße reden. In der vielen Zeit, in der er nichts zu tun hat, erkundet er Stadt und Umgebung mit dem Fahrrad. Er ist meist mit Freunden aus der Unterbringung unterwegs. Seit vier Monaten ist er in Mengen. „Die Zeit vergeht schnell, wenn man arbeiten darf“, sagt er. Und wenn man ihn fragt, was er sich am meisten wünscht, dann wird er ernst und sagt: „Dass in Syrien wieder Frieden ist, dass keiner im Ausland um Asyl bitten muss.“

An diesem Samstag sind viele Besucher und Kunden gekommen, um die fair gehandelten Produkte, die es im Klosterladen gibt, kennenzulernen. Sie haben Khabats kleine Fladenrauten genossen. Draußen, im sonnedurchfluteten Hof, musizierten fünf Flüchtlinge, die ebenfalls in Mengen untergebracht sind.falls in Mengen untergebracht sind.

© Kloster Habsthal










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