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Quelle: Südkurier vom 17.09.2014

Verkostung fair gehandelter Produkte im Klosterladen kommt an

Ostrach - Genuss mit gutem Gewissen: Wer fair gehandelte Produkte kauft, hilft den Produzenten, die oft in ärmlichen Verhältnissen leben. Wie gut exotische Brotaufstriche schmecken, konnte man im Klosterlädele testen.




Fair gehandelte Produkte schmecken gut und unterstützen die Produzenten. Im Klosterlädele freuen sich (von links) die Fördervereinsmitglieder Horst Schuhmacher und Hannelore Riegger sowie Schwester Lidwina und der Asylsuchende Khabat Mustafa, während Interessentinnen in Ruhe die Produkte anschauen. Bild: Rauscher

Autor Nicole Rauscher

Im Klosterladen war angerichtet. Wie ein kleines Buffet wirkten die appetitlichen Häppchen mit pikantem und exotischem Brotaufstrich in verschiedenen Mango-Variationen oder Chili-Mischungen, Curry-Kompositionen und mediterranen Kreationen, um die es an diesem Themen-Tag ging. „Fair-Kostung“ lautete das Motto, für das das Team der ehrenamtlichen Mitarbeiter die unterschiedlichsten Versucherle der Fairhandelsgenossenschaft DWP zusammengestellt hatte. Die DWP kooperiert mit den Kölnern Tatort-Kommissaren Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt, die sich für Straßenkinderprojekte engagieren.

„Es ist eine Tragik, was um uns rum passiert und wir müssen anfangen umzudenken“, erklärt Doris Danner. Sie ist Mitglied des Fördervereins, der den Klosterladen betreibt. „Der faire Handel, auf den die DWP achtet, war mit ein Grund, sie ins Sortiment aufzunehmen, um auf das Konsumverhalten aufmerksam zu machen“, so Danner weiter. „Dabei müssen wir Verbraucher überlegen, auf wessen Kosten es gehen wird, wenn nur der Preis im Vordergrund steht.“ Ihr geht es dabei um Ethik und Moral und sie betrachtet es als Pflicht, „dass wir uns um Gerechtigkeit kümmern, denn wir tragen auch für die Menschen in ihren Ländern Verantwortung“.

Als im Mai die ersten Flüchtlinge nach Mengen kamen, engagierte sich Doris Danner ebenfalls im „Arbeitskreis Asyl Mengen“ mit Pfarrerin Ines Fischer. Bei verschiedene Aktivitäten mit den Menschen aus Eritrea, Gambia und Nigeria lernte sie den 23-jährigen Syrer Khabat Mustafa kennen. „Bei meiner Arbeit mit den Bienen stellte ich fest, dass ich Unterstützung brauche“, erzählt Doris Danner weiter. „Khabat ist groß und kräftig und er hat keine Angst vor Bienen“, das war ihr wichtig. Sie sprach den jungen Mann an, der sich bereit erklärte, mit anzupacken. So ermöglichte Doris Danner ihm mit dem Einverständnis des Geschäftsführers Christoph Schulz einen Minijob. „Nun helfe ich beim Füttern, Honigmachen und Putzen des Bienenstocks“, freut sich Khabat Mustafa über seine neue Aufgabe. „Es gefällt mir gut“, fügt er hinzu und erzählt, dass er nun seit einem Monat mit im Team ist. In seiner Heimat war Krieg ausgebrochen. Bis dahin studierte der hilfsbereite Neuankömmling Soziologie an der Universität in Damaskus. In den Semesterferien fuhr er zu seinen Eltern nach Hause, die 900 Kilometer südlich der Hauptstadt lebten. „In der Zeit half ich immer meinem Bruder, er ist Schneider.“ Doch dann war nichts mehr so, wie es war. „Sie wollten alle junge Männer zum Töten schicken“, schildert er die Situation. „Mein Vater sagte, du musst gehen!“ Er ließ seine Eltern zurück, drei Brüder und fünf Schwestern. Vor Khabat Mustafa lag eine einmonatige Reise. „Am 14. April kam ich in Deutschland an. Alles aufzugeben ist sehr schwer“, beschreibt er seine Gefühle. „Aber es ging um mein Leben.“

Viele seiner Freunde sind ebenfalls gegangen, auch eine Schwester und sein Onkel. Doch sie sind in Köln und in Aachen. Dennoch fühlt er sich nicht alleine, denn „ich habe hier neue Freunde gefunden“, sagt Khabat Mustafa. Diese bei der „Fair-Kostung“ dabei und umrahmten den Tag musikalisch im Klosterhof. „Ich habe bei den Vorbereitungen geholfen und die kleinen Brote zubereitet“, erzählt Khabat Mustafa Daraus wurden kleine Leckereien, zu denen Jan Eckhoff Saft, Gummibären und getrocknete Mangostreifen anbot.

Klosterlädele
Im Kloster Habsthal ist dieser Laden im Juni 2013 eröffnet worden. Das Angebot konzentriert sich auf diverse Schafwollprodukte auch von eigenen Schafen, auf Honig der Klosterimkerei, kunstgewerbliche Produkte und Devotionalien. Es sind Bücher, Karten und Kalender des Klosters erhältlich. Das Sortiment ist nach Qualität, Regionalität und fairem Handel ausgewählt. Geöffnet: freitags von 15 bis 19.30 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr.

© Kloster Habsthal










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