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Quelle: Südkurier vom 18.08.2014

Bienen gehören zum Kloster

Ostrach - Vor sechs Jahren wurde im Kloster Habsthal die Tradition der Imkerei wiederbelebt: „Wir achten schon bei der Haltung und Pflege auf Qualität und das schmeckt man“.

Schwester Kornelia

Die Priorin des Benediktinerinnenkloster Unserer Lieben Frau in Habsthal Kornelia Kreidler freut sich, dass wieder Bienenvölker im Klostergarten sind. Bild: rauscher

Autor Nicole Rauscher


„Bienen gab es in Klöstern schon immer“, erklärt Schwester Kornelia Kreidler, Priorin des Benediktinerinnenklosters „Unserer Lieben Frau“ in Habsthal, denn die kleinen Tiere hätten die Menschen schon immer fasziniert: „Bereits früh hat man ihre Erzeugnisse wie Honig als Heilmittel erkannt und damit wurden die Bienen hoch gehalten.“ „Für die Kerzen wurde das Wachs verwendet und bis heute muss in der liturgischen Kerze ein Bienenwachsanteil drin sein“, erläutert die Priorin die theologischen Zusammenhänge und macht deutlich, dass die Biene für sie zum religiösen Leben dazugehört. Besonders in der Osternacht erhalte die Biene hohe Anerkennung und der Osterkerze werde ein Lobpreis ausgesprochen. Doch dann wurden im Kloster die Bienen immer weniger und irgendwann gab man die Imkerei in Habsthal auf.
Als Schwester Kornelia Jahre in das Kloster kam, trug sie sich nach eigenen Angaben lange mit dem Gedanken, die Tradition der Imkerei wieder aufleben zu lassen, aber „ich wusste nicht, wie ich das schaffen sollte“. Eines Tages ließ sie sich von Renate Reul überreden, an einem Imker-Seminar teilzunehmen. „Dort lernte ich auch Doris Danner kennen und wir beschlossen zu Dritt, Bienen im Kloster zu halten, da beide Frauen zuhause keinen Platz hatten.“ Die vielen Obstbäume im Klostergarten bieten den Bienen nahezu paradieshafte Verhältnisse und die Bäume sind seitdem auch immer gut bestäubt. Und so starteten die drei Frauen vor sechs Jahren mit drei Völkern – jede Imkerin mit einem Volk. „Die Kursleiterin hatte Bienen und verteilte sie, manchmal fliegt einem auch ein Schwarm zu oder man kauft bei einem Imker ein“, erklärt die Priorin.
Inzwischen tummeln sich acht Völker im Klostergarten: „Wir hatten auch schon zehn, aber manchmal legen wir auch schwache Völker zusammen.“ Und dann war es so weit: der erste eigene Honig kam auf den Tisch, am Sonntag zum Frühstück. Mit einem Schmunzeln gesteht Schwester Kornelia: „Ich habe schon während des Schleuderns gestibitzt.“
Besondere Produkte werden in einem Kloster immer sonntags und feiertags kredenzt. „Wir achten schon bei der Haltung und Pflege auf Qualität und das schmeckt man“, freute sie sich über das Ergebnis. Vereinzelt waren in den Bienenwaben Propolis, auch Bienenharz oder Kittwachs genannt, zu sehen. „Das herzustellen, wäre ein Wunsch von mir, aber das ist sehr aufwendig“, ergänzt Schwester Kornelia. Sie selbst verwendet das Harz bei Entzündungen. Renate Reul kommt als Medizinerin aus dem anthroposophischen Bereich und weiß, wie die Imkerprodukte als Heilmittel eingesetzt werden können. „Es macht mich traurig, wie die ganze Umwelt gegen die Bienen ausgerichtet wird“, sorgt sich die Priorin um die Zukunft der eigentlich unerlässlichen Helfer für die Natur. „Durch die Monokulturen fehlt die Pflanzenvielfalt und inzwischen haben die Imker in der Stadt wesentlich besseren Honig wie hier auf dem Land“, macht sie deutlich.

© Kloster Habsthal










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