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Quelle: Schwäbische Zeitung vom 20.06.2016

Ostracher Liederhandschrift begeistert
Kloster Habsthal feiert mit langer Barocknacht Jubiläum der Barockstraße

Von Tanja Japs 20. Juni 2016

Frauenschola

Die Frauenschola Cantorey Klosterneuburg unterstützt die Rezitationen aus der Ostracher Liederhandschrift musikalisch. Foto: Tanja Japs

Habsthal - Das Kloster in Habsthal hat sich an den Feierlichkeiten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Oberschwäbischen Barockstraße beteiligt. Die Klosterkirche gehörte zu den 25 Standorten entlang der Straße, in denen eine lange Barocknacht gefeiert wurde.
760 Kilometer, vier Routen und über 50 Barockerlebnisstationen umfasst die Oberschwäbische Barockstraße. 2016 feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen und gehört damit zu Deutschlands ersten Ferienstraßen. Wer sich auf eine Reise entlang der Oberschwäbischen Barockstraße begibt, dem erlaubt sie allerorten einen immer neuen Blick auf die Besonderheiten dieser Route: Klöster, Abteien und Kirchen, prunkvolle Schlösser und Adelssitze, eine ausgeprägte barocke Landschaft gehören ebenso dazu, wie der Klang der barocken Orgeln, Köstlichkeiten barocker Tafeln und einer ganz besonderen oberschwäbischen Lebensart. Am Anfang stand allerdings ein rein merkantiler Ansatz. Als die Straße am 18. Juni 1966 eingeweiht wurde, ging es allein darum, möglichst viele Gäste auf das viel zitierte "Himmelreich des Barock" hinzuweisen, um damit den Tourismus in einer Randregion anzukurbeln.
Am Samstag stand allerdings das Feiern im Vordergrund, unter anderem bei einer langen Barocknacht an 25 Standorten. An der Jubiläumsfeier nahm auch das Kloster Habsthal teil. Die Klosterkirche besitzt eine bedeutende barocke Ausstattung, an der so herausragende Meister wie der Augsburger Maler Gottfried Bernhard Göz, Mathhäus Zahnder, Johann Felician Hegenauer oder der überragende Stuckateur Johann Anton Feuchtmayer, der Schöpfer des berühmten Honigschleckers der Birnau, beteiligt waren.

Beginn mit einer Vesper
Der Abend begann in Habsthal mit der Feier eines Vespergottesdienstes. Anschließend sprach Wolfgang Urban aus Rottenburg unter dem Leitthema "Barockes Lebensgefühl" über die Bedeutung des Beitrags der Frauenfrömmigkeit für die Spiritualität der Barockkultur und erläuterte zugleich die Klosterkirche mit ihren Kunstwerken und deren geistigen Hintergrund. Der Referent, ehemaliger Diözesankonservator der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ist durch zahlreiche Publikationen zur Klosterkultur und Kunstgeschichte, nicht zuletzt des Barock, hervorgetreten. "Er sprach so lebendig, dynamisch und gleichzeitig mit Witz. Obwohl er einige Sätze nicht zu Ende sprach, wusste jeder, was Urban im Hinblick auf die damalige Zeit meinte", sagte eine begeisterte Zuhörerin, die extra aus Salem gekommen war.
Um 20 Uhr folgte ein Orgelkonzert mit Meinrad T. Bolz Can. Reg., aus Klosterneuburg bei Wien. Im Wechsel mit der barocken Orgelmusik trug die bekannte Sprechpädagogin und Märchenerzählerin Elvira Mießner aus Pfullendorf Rezitationen aus der Ostracher Liederhandschrift vor. Gesanglich unterstützt wurde die Darbietung von der Frauenschola: Cantorey Klosterneuburg. Das Orgelkonzert begann mit dem Stück "Toccata Septima & Ricercar " von Johann Pachelbel (1653-1706), es folgte "Passacaglia" von Johann Kaspar Kerll (1627-1693). Weitere Stücke wie beispielsweise "Fuge" über den Choral "Christus ist erstanden" von Johann C. Albrechtsberger (1736-1809) und Improvisationen zu "Die Music" (aus der Ostracher Liederhandschrift) von Meinrad T. Bolz (*1980) wurden dargeboten. Den Abschluss bildete "Toccata Prima" aus "Apparatus Musico-Organisticus" von Georg Muffat (1653-1704).

Hintergrund zu Texten
Aus den Rezitationen von Elvira Mießner erfuhren die Zuhörer, dass es sich um Texte aus der Ostracher Liederhandschrift handelte, die nach 1740 von einem Mönch verfasst wurden, der in der Region Ostrach lebte. In diesen wurden zum einen der Lebensgenuss beschrieben, aber zugleich von Todesangst berichtet. Die Worte wurden als Schein und Sein im Wechsel verwendet und sollten als hilfreich und tröstend belehrend den Menschen dienen. "Geduld, Vernunft und Zeit", zitierte Mießner, "sind die drei Säulen im Leben eines Menschen, mit denen es jede gestellte Aufgabe zu bewältigen gilt. Nur wenn alle drei Elemente berücksichtigt werden, führen sie zu Freude". Das Publikum war begeistert.

© Kloster Habsthal










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