Links  Impressum   Datenschutz
Quelle: Schwäbische Zeitung vom 22.08.2014

Rückzug in die Stille

Im Kloster Habsthal finden Frauen eine gute Atmosphäre, um Urlaub zu machen

Von Vera Romeu 22. August 2014

Auszeit im Kloster

Roswitha Klotz-Birk erzählt von der wohltuenden Auszeit im Kloster Habsthal. Tagesrhythmus, Gebetszeiten, Zuwendung, köstliches Essen und viel Ruhe machen diese Art erholsamen Urlaub aus. Foto: Vera Romeu

Habsthal - Es ist eine gute Form, Urlaub zu machen: Immer mehr Menschen gehen für ein paar Tage ins Kloster und leben in der Gemeinschaft mit. Dort finden sie Ruhe, Rhythmus und aufmerksame Gesprächspartner. "Man muss nicht besondere Nöte oder Sorgen haben, die man besprechen möchte. Es reicht die Lust, mal bei sich ankommen zu können oder Dinge des Lebens ein wenig ordnen zu wollen", erklärt Roswitha Klotz-Birk, die sich in Habsthal bei den Benediktinerinnen eine kleine Auszeit von fünf Tagen genommen hat.

Sie hat schon mehrfach in anderen Klöstern Urlaub gemacht. "Ich möchte im Beruf nicht ausbrennen, deshalb suche ich immer wieder diese Art Rückzug", erklärt Klotz-Birk. Sie arbeitet in der Suchtberatung, begegnet vielen Menschen, die in schwierigen Lebenskrisen stehen, die jemanden brauchen, der ihnen intensiv zuhört. Privat hat sie Mann und Tochter.

Vor Jahren hatte sie das Buch "Zeit für Klöster" geschenkt bekommen, da war ihr die Beschreibung von Habsthal ins Auge gefallen. "Die kleine Gemeinschaft, das einfache und naturverbundene Leben hatten mich angerührt", berichtet sie. Und jetzt hatte es gepasst: Das Kloster liegt auf dem Weg zu ihrer Mutter, die sie anschließend besuchen wollte.

Sie ist erschöpft angekommen, und von den beruflichen Aufgaben ein wenig außer Atem. "Ich bin hier so gut empfangen worden. Das Haus und das Umfeld sind so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das Zimmer ist so wunderschön", berichtet Klotz-Birk. Sie habe die große Stille in sich aufgenommen, den durch die Gebetszeiten geprägten Tag mitgelebt, das köstliche Essen genossen, viele Spaziergänge gemacht, ein wenig gelesen und nachgedacht. "Im Kloster, da kann ich bei mir sein. Da wartet niemand auf mich. Es ist eine gesunde Form von Egoismus, sich in diese Stille zurückzuziehen", erklärt sie.

Die Benediktinerinnen schweigen beim Essen. Ob dies nicht beklemmend sei? Im Gegenteil, sagt sie: man esse bewusster, nehme sich Zeit, den Geschmack intensiv zu genießen. "Im Kloster können sich die Sinne neu entfalten. Hören, sehen, riechen, tasten und kosten kommen im stressigen Alltag immer zu kurz", erklärt sie. Es ist auch nicht ganz still am Tisch, man hört einer Tischlektüre zu.

Das regelmäßige Beten mit den Nonnen gehört zu dieser Lebensform. Natürlich sei es nicht Pflicht, erklärt Klotz-Birk. Aber es sei, wie wenn man einen Wanderurlaub mache: Da wandert man den ganzen Tag, nicht nur ein bisschen. "Es ist befreiend, sich in der Gemeinschaft einzufinden, singen, Texte lesen und sprechen, die so viel Heil in sich tragen. Man bekommt auch ganz freundliche Hilfe, bis man sich zwischen Texten und Liedern zurechtfindet", erklärt Klotz-Birk.

Mitarbeit ist möglich

Doch brauche man kein besonders religiöser Mensch zu sein, um im Kloster gute Urlaubstage zu haben. Das ganzheitliche, gesunde Leben entspreche dem Wesen des Menschen. Die Atmosphäre im Haus, das Schlafen, der Rhythmus, das Geistliche, die Gespräche und die Natur im Umfeld sind wohltuend. Und auch mal nicht vor sich selber weglaufen zu können. Sie hätte mitarbeiten dürfen, wenn die Hände es gebraucht hätten. Sie haben es nicht. Sie wollte einfach mal sein dürfen, ohne etwas leisten zu müssen. Das ist in Habsthal möglich. Sie hat im Gespräch mit Priorin Kornelia den Alltag ein wenig reflektiert und überlegt, wo Korrekturen anzubringen wären.

Warum ausgerechnet Klosterleute, die hinter Mauern leben, gute Gesprächspartner seien? Weil sie immer das Wesentliche des Menschen im Blick haben, weiß Klotz-Birk. Sie schauen von außerhalb in das Leben hinein, aus der Perspektive der Gottesbeziehung, und wissen von den grundlegenden Bedürfnissen, die Menschen im Herzen tragen. "Und im Ernstfall kann das Gespräch zum heilenden Beichtgespräch werden, in dem Vergebung und Versöhnung am Ende stehen", erklärt Klotz-Birk.

Die fünf Tage in Kloster Habsthal haben ihr die Ruhe gebracht, die sie gesucht hat. In dieser Ruhe sind die inneren Schätze, die im stressigen Alltag vergraben bleiben, wieder ans Licht gekommen. Das Atmen ist wieder im Rhythmus. Gestärkt, gerüstet und bestätigt ist Klotz-Birk wieder in ihren ganz normalen Alltag aufgebrochen.
© Kloster Habsthal










Counter script