Links  Impressum   Datenschutz
Quelle: Schwäbische Zeitung vom 24.02.2011

Geschichte und Geschichten verbinden

Seit einem Jahr sind Handwerker im Kloster Habsthal im Einsatz – Die Arbeiten gehen gut voran

Priorin Schwester Kornelia und Architekt Bruno Siegelin gehen durch die Baustelle. (Foto: Vera Romeu)

Priorin Schwester Kornelia und Architekt Bruno Siegelin gehen durch die Baustelle. (Foto: Vera Romeu)

Von Vera Romeu

HABSTHAL Die Benediktinerinnen gehen durch die langen Flure, weichen den Sprießen aus, die hier und dort wie ein abstrakter Wald herumstehen. Die Stuckdecken müssen gesichert werden, derweil oben im Dachboden Handwerker arbeiten und die Dachkonstruktion sanieren. Das Kloster steht seit einem Jahr unter dem Zeichen der Renovierung. Bis Ende des Jahres werden die Maßnahmen abgeschlossen sein. "Man sieht von außen nichts Spektakuläres, weil wir unterm Dach nur dort eingreifen, wo auch die Schäden sind", erklärt Architekt Bruno Siegelin. 1,4 Millionen Euro kostet die Baumaßnahme.

Die Arbeiten gehen schneller voran, als erhofft. "Die Handwerker sind fix", freut sich die Priorin Schwester Kornelia Kreidler OSB. Was für das Frühjahr vorgesehen war, konnte schon nach Weihnachten in Angriff genommen werden: Nämlich der Süd- und Ost-Flügel. Ziel ist, die Schäden am Dachstuhl zu beheben und die Hängewerke, die die unteren Geschosse mittragen und so die Säle im Erdgeschoss ermöglichen, wieder herzustellen.

Im Ostflügel hatten die Benediktinerinnen unterm Dach Zellen und Gaupen eingebaut, weil die Frauengemeinschaft so angewachsen war, dass zusätzlicher Platz geschaffen werden musste. Sämtliche Sparren wurden abgesägt, Gaupen eingebaut, um dazwischen die Zellen zu schieben. Seit Jahren wird dieser Bereich nicht mehr genutzt. Viele Stellen sind schadhaft. Nun werden die Sparren wieder ergänzt, die Gaupen abgebaut, das Dach geschlossen. Zwei Hängewerke wurden einfach abgesägt, dies wirkte sich auf die gesamte Statik des Gebäudes aus. Die Lasten wurden auf die unteren Geschosse abgeleitet. Es musste von unten im Kapitelsaal, Refektorium und im Stickzimmer mit Gussstützen dagegengehalten werden, im Gewölbekeller sogar mit gemauerten Pfeilern.

Der Stuck in den Fluren wird nach und nach von den Sprießen befreit, sobald oben im Dachboden die Maßnahmen beendet sind. Reinigen und auffrischen der Stuckoberfläche ist im Moment nicht geplant. Diese und andere notwendige Maßnahmen wie die Sanitäranlagen, die auf dem Stand von vor hundert Jahren sind, könnten die nächsten Maßnahmen sein, erklärt Siegelin.

Der Architekt ist an der Sanierung von drei Klostergebäuden parallel beteiligt: Salem, Inzigkofen und Habsthal. "Das Besondere an Habsthal ist die Vernetzung von Geschichte und Geschichten. Hier sind die turbulenten Jahre der Veränderungen und der Besitzwechsel durch die Säkularisation und die Wiederbelebung als Kloster in der Bausubstanz deutlich abzulesen. Die baulichen Herausforderungen sind das eine, aber die Spuren zuzuordnen, ist das andere. Das ist Heimatpflege", lacht der Architekt.

Die Baumaßnahmen wurden mit Zuschüssen ermöglicht. Das Konjunkturprogramm kam zur richtigen Zeit, die Denkmalstiftung Baden-Württemberg engagierte sich überproportional, Landkreis, Gemeinde, die Stiftung Wüstenrot halfen mit. Der Förderverein und das Kloster bringen ihren Anteil über Veranstaltungen und Spenden zusammen.

© Kloster Habsthal










Counter script