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Quelle: Schwäbische Zeitung vom 30.09.2013

Ausstellungen wecken Erinnerungen

Vernissage im Kloster Habsthal – Fotos von Timo Wetz und Werke von Waltraud Selg

Vernissage

Viel Freude macht das Betrachten der vielen schönen Exponaten der Ausstellung. Auf langen Tischen und in kleinen Vitrinen werden Kostbarkeiten inszeniert. (Foto: Vera Romeu)

Von Vera Romeu

HABSTHAL Sehr viele Besucher sind zur Vernissage der beiden Ausstellungen gekommen, die zurzeit im Kloster Habsthal präsentiert werden. In der Kirche fand der Auftakt statt: Sie war bis in die letzten Bänke voll besetzt. Priorin Cornelia Kreidler OSB freute sich über die große Resonanz. Es sind zwei unterschiedliche und doch sich ergänzende Ausstellungen.

Die erste, die geplant war, war die Fotoausstellung von Timo Wetz. Der in Hausen am Andelsbach lebende Fotograf Wetz pflegt eine enge Beziehung zu den Habsthaler Benediktinerinnen, seit Jahren hält er den Alltag der Klosterfrauen mit der Kamera fest, berichtete Priorin Cornelia Kreidler. Im meditativen Kreuzgang hängt wie ein Fries eine Serie schwarz-weiß Fotografien von Grabengeln, die er auf unterschiedlichsten Friedhöfen aufgenommen hat.

Gegenüber hat Pater Pius Agreiter OSB, der Spiritual des Klosters, kurze Texte zu Engeln formuliert. Es braucht Ruhe und Muße, sich in die Bilder hinein zu begeben, sich in stiller Betrachtung zu versenken. Der stille Kreuzgang ist ein idealer Ort, um diese Aufnahmen vorzustellen und zu genießen. "Engel sind Boten Gottes und sie begleiten den Menschen zu Gott. Sie sind ganz hier auf Erden und sie vermitteln den Frieden Gottes", sagte Priorin Cornelia Kreidler OSB. Sie lud die vielen Besucher der Vernissage ein, nochmal zu kommen, um die Ausstellungen in Ruhe anzuschauen.

Profunde Kennerin
Diese Ruhe braucht es nämlich auch, um die Ausstellung von Waltraud Selg in ihrer tiefen Dimension und vielschichtigen Aussage zu erfassen. Sie trägt den Titel "Bilder und Zeugnisse der Volksfrömmigkeit zu Geburt und Tod" und dokumentiert eine Vielfalt von Bräuchen und Riten der Volksfrömmigkeit, bis an die Grenzen des ländlichen Aberglaubens, der bis weit in das 20. Jahrhundert gepflegt wurde. Selg ist eine profunde Kennerin der Materie und hat eine Vielzahl an Exponaten zusammengetragen. Es ist eine üppige und ästhetische Ausstellung zugleich, das ehemalige Refektorium und die ehemalige kleine Sakristei eignen sich bestens, um diese Art Objekte zu präsentieren. Sie wecken Erinnerungen an fast vergessene Bräuche. Zur Vernissage hat Selg einen umfangreichen Bericht über Bräuche und Aberglaube vorgetragen.

Es ist eine sehr erzählerische Ausstellung, weil sie punktuell Lebensstationen wie Taufe oder Aufbahrung von Toten zum Beispiel inszeniert, und auch über Wallfahrtskultur eine Menge an Exponaten zur Schau stellt. Die Dinge erzählen von früheren Zeiten, vergleicht sie manchmal mit heutigen Gepflogenheiten. In ihrem Referat berichtete Selg auch einige Anekdoten, die für den heutigen Hörer mal ambivalent mal humorvoll klingen. Früher nahmen Großfamilie und Dorf am Sterben eines Mitglieds intensiv teil. "Heute verläuft es vielfach einsamer und anonym", stellte Selg fest.

Schwangerschaften und Geburten werden heute von der Medizin begleitet, um das Leben von Mutter und Kind professionell zu schützen. Dafür gab es früher erstaunliche Riten und von Aberglaube geprägte Bräuche, wie zum Beispiel die Plazenta in einem Tonkrug in die Erde zu vergraben. Die alten Hebammen-geschichten aus der Göge brachten die Zuhörer zum Schmunzeln.

Die Ausstellungen "Bilder und Zeugnisse der Volksfrömmigkeit zu Geburt und Tod" von Waltraud Selg und "Grabengel" von Timo Wetz sind im Kloster Habsthal bis Sonntag, 17. November zu sehen, mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Für Gruppen ist der Besuch auch donnerstags und freitags nach vorheriger Anmeldung unter Telefonnummer 07571/13124 möglich.
(Erschienen: 30.09.2013 20:55)

© Kloster Habsthal










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