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Quelle: Schwäbische Zeitung vom 31.05.2010

Flohmarktsüchtige stürmen das kleine Kloster Habsthal

Habsthal – Überwältigt von Andrang und Kauflust sind die 30 Helfer und die Klosterfrauen gewesen. Zwei Stunden vor Eröffnung standen schon die ersten Interessenten vor dem Klostertor und drohten drüber zu klettern. Am Abend dieses außergewöhnlichen Tages war fast alles verkauft.

Von unserer Mitarbeiterin Vera Romeu

Die Autonummern verrieten, dass die viele Besucher aus einem großen Einzugsgebiet kamen. Zwischen Ludwigsburg und Bregenz hatte sich herum gesprochen, dass die Benediktinerinnen gezwungen waren, wegen der anstehenden Dachsanierung ihre Speicher zu räumen. So hatten sich viele erhofft, auf diesem ungewöhnlichen Flohmarkt an kostbare und interessante Stücke heran zu kommen. Das ganze Dorf war zugeparkt, die Autos standen sogar am Friedhof außerhalb der Bebauung.
Am frühen Morgen hatten die rund 30 Helfer erst mal im Bereich vor dem Tor auf Bänken und Tischen die Dinge aufgestellt, die kostenlos mitgenommen werden durften. „Wir haben diesen Bereich zweimal aufgefüllt. Er war schon leer, bevor wir das Klostertor um 10 Uhr aufmachten“, berichtete Schwester Kornelia Kreidler OSB am Ende dieses verrückten Tages.
Ab 8 Uhr standen schon die ersten Flohmarktprofis da und erhofften sich, vor 10 Uhr zugelassen zu werden, um die besten Stücken schnappen zu können. Doch Schwester Kornelia blieb hart: Die Tür zum Klostergelände wurde erst mit dem Glockenschlag um 10 Uhr aufgemacht. Die Leute standen schon seit geraumer Zeit davor Schlange, manche waren sogar dabei, das Tor hinauf zu klettern.
„Um 10 Uhr stürmte eine Schar Menschen auf das Gelände, so etwas habe ich noch nie gesehen“, berichtete einer der Helfer. Es sei ganz anders gewesen, als beim Adventsmarkt, wo die Besucher sich über den Tag verteilen. Die Menschen stöberten auf allen Tischen nach Schnäppchen, suchten das Stück, das ihnen zu Hause noch fehlt. Die Kauflust war immens.

Flohmarkt

Flohmarkt

„Ein Filmteam hat einiges gekauft, um Kulissen zu bestücken“, berichtete Schwester Kornelia, die sich freute, dass die alten Sachen so viele Interessenten fanden. In der Textilfundgrube haben sich die Heerscharen kaum mehr bewegen können. „Altes Leinen und alte Spitzen haben die Leute ruck zuck weggekauft“, berichtete die Helferin Waltraud Selg. Wolldecken und Handarbeiten aus dem klösterlichen Fundus, Hüte und Kleider aus der Theaterkiste, vieles ist über den Verkaufstisch gegangen. „Die Leute haben wirklich einen Sinn dafür, was gut und schön ist“, quittierte Selg.
Auf großes Interesse sind auch die Möbel gestoßen. „Heute morgen war der Kreuzgang voll mit Betten und Holztäfern“, erzählte ein Helfer und zeigte am Abend in den leer gefegten Gang. Auch die Scheune draußen war voll mit Koffern, Truhen, Nachtschränkchen gewesen. Ein extra für diesen Anlass aufgespanntes Zelt beherbergte Schränke und Kronleuchter.
Ein Pendeldienst karrte die Möbel die gesperrte Klosterstraße hinunter, damit die Käufer ihre Möbel gleich einladen konnten. „Logistisch war es ein interessanter Tag. Wir haben keine Erfahrung mit einem Flohmarkt. Wir hatten zwar schon erahnt, dass es einen Andrang geben könnte, aber nicht so“, erzählte Schwester Kornelia. Im Vorfeld hatte sie viele telefonische Anfragen vertrösten und Besuche abwehren müssen. Zum Glück spielte das Wetter mit: Eine warme Sonne badete das Geschehen in ein schönes Licht, Schwester Kornelia teilte den Helfern Strohhüte von der Theaterkiste aus, um sie gegen Hitzschlag zu schützen. Alle blieben trotz Hektik bestens gelaunt. Der Kuchen im Refektorium ging schon um 13 Uhr aus, die Klosterfrauen stellten sich kurzerhand in die Küche und backten nach.
„Es war ein ganz besonderer Tag für das Kloster. Nun kann die Sanierung des Daches beginnen“, sagte die Benediktinerin. Das Gerüst steht schon an der Wand, die Zeichen stehen nun auf Baubeginn.

© Kloster Habsthal










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