Die Benediktinerinnen aus dem im schweizerischen Kanton Aargau gelegenen Hermetschwil befinden sich im Gefolge der Säkularisation von 1841 in einer existenziellen Bedrängnis und sind auf der Suche nach einer neuen Heimat außerhalb der Eidgenossenschaft, um den Fortbestand des damals noch elf Schwestern zählenden Konvents zu gewährleisten. Nach der Niederlassung von zwei Chorfrauen und sieben Novizinnen im Oktober 1892 in Habsthal erlebt das alte Kloster einen raschen Wiederaufstieg und zählt dank zahlreicher Neueintritte 1898 bereits 24 Konventschwestern. Das als Abtei firmierende Doppelkloster Habsthal-Hermetschwil vermag durch die befristete Entsendung von Schwestern auch die Existenz des schweizerischen Standorts zu sichern. Erst 1985 trennen sich nach nahezu einhundert Jahren die Wege der beiden Klostergemeinschaften und bildet Habsthal fortan ein eigenständiges Priorat unter der Aufsicht des Abtes von Muri-Gries in Südtirol.

Das Benediktinerinnenkloster ist eine kontemplative Gemeinschaft mit einer bis zu den Reformen des 2. Vatikanischen Konzils bestehenden Zweiteilung in dem lateinischen Chorgebet verpflichtete Chorfrauen und vorrangig in der Klosterökonomie tätige Laienschwestern. Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Benediktinerinnen lange Zeit aus der gärtnerischen und landwirtschaftlichen Bewirtschaftung des umfangreiches Klosterhofes, in den 1920/30er Jahren zeitweilig aus dem Betrieb einer Näh- bzw. Fortbildungs- und Kochschule und schließlich aus den Einkünften einer überaus erfolgreichen Paramenten- und Stickwerkstatt. Sowohl kirchliche Einrichtungen wie auch zahlreiche Vereine in weiter Umgebung finden sich unter den Kunden der kunsthandwerklich talentierten Klosterfrauen, deren Produktpalette von kunstvoll bestickten Messgewändern bis zu Jubiläumsfahnen für Feuerwehren und Gesangvereine reicht. Stark rückläufige Beitritte von Novizinnen bereits seit den 1960er Jahren lassen die Klostergemeinschaft zunehmend altern und schrumpfen, so dass aufgrund des fehlenden Nachwuchses die Paramentenwerkstatt wie auch die klösterliche Landwirtschaft aufgegeben werden müssen.

Im Jubiläumsjahr 2009 beherbergt das Kloster Habsthal eine vier Frauen und einen Spiritual umfassende kontemplative benediktinische Gemeinschaft, deren Alltagsleben von den morgendlichen Vigilien bis zur abendlichen Complet in der Tradition ihres Ordens vom Chorgebet, Meditationszeiten und der täglichen Eucharistiefeier bestimmt und gegliedert wird. Die Arbeit als zweite Säule des benediktinischen Klosterlebens neben dem Gebet gilt der Versorgung von Haus und Garten, der Verrichtung des bereits seit 1920 wahrgenommenen Mesmerdienstes in der Pfarr- und Klosterkirche sowie der Gastfreundschaft, Beherbergung und Betreuung von Menschen, die in wachsender Zahl in der klösterlichen Stille Einkehr halten und den Weg zu sich und Gott suchen.

© Kloster-Habsthal
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