Vermählung (Spieglerbild)

Vermählung

Eine besondere Kostbarkeit dieser Kirche ist das Ölgemälde  an der Innenwand; es stammt von Franz Josef Spiegler; ein gebürtiger Allgäuer, der das Kunstwerk 1747 geschaffen hat. Es stellt die Vermählung der heiligen Katharina De` Ricci dar. Die Brautmystik ist ein Thema, das vor allem im Mittelalter starke Verbreitung fand.
Katharina D.R. wurde 1522 in Florenz geboren, trat im Alter von 13 Jahren in den Dominikanerorden ein und war in ihrem Kloster Novizenmeisterin und Priorin. 1590, mit 68 Jahren, starb sie. Zu Lebzeiten stand sie mit bedeutenden Persönlichkeiten in Kontakt und nahm an den geschichtlichen Ereignissen (z. Reformtion in Deutschland) regen Anteil. Auch sie führte, wie Rosa v. Lima, ein strenges, asketisches Leben. Ekstasen, Seher- und Wundergaben sowie die Wundmale Christi gehören zu ihren mystischen Begnadungen.

Entsprechend wird Katharina auf diesem Bild als mystische Braut Christi dargestellt. Sie trägt das weiße Ordenskleid der Dominikanerinnen, auf ihrem Haupt liegt eine Dornenkrone, sie kniet vor Christus und bekommt von ihm einen goldenen Ring angesteckt. Auf ihrer rechten Hand, erkennt man ein Wundmal; an der linken Hand ist es durch einen weißen, feinen Handschuh verdeckt. Über ihr steht Maria - in ein blaues Gewand gehüllt. Sie beugt sich liebevoll und mütterlich fürsorgend zu der blaß und zerbrechlich erscheinende Nonne herab. Sie faßt Katharina D. R. an der rechten Hand und führt sie ihrem Sohn zu; dabei ruht ihre linke Hand liebevoll auf der Schulter der Ordensfrau. Maria erscheint hier ganz und gar als Mutter; man spürt die innige Liebe, in der sie dieser Vermählung zustimmt und ihre geliebten Kinder einander zuführen möchte.

Den Frauen gegenüber steht Christus, der Bräutigam, der sich mit ganzer Innerlichkeit seiner Braut zuwendet und ihr den goldenen Ring ansteckt. Er ist, wie im Deckenfresko des Langhauses, als Sieger über den Tod dargestellt, er trägt das Kreuz hier auf seinen Schultern. Christus ist mit einem roten Umhang und einem blauen Untergewandt gekleidet, auf dem Haupt trägt er eine goldene Krone. Seine Gestalt ist in weißes Licht getaucht, das auch noch auf Katharina D. R. fällt. Diese festliche, majestätische Erscheinung soll zum einen die Würde des Bräutigams zeigen, zum anderen der mystischen Braut die zu erwartende Herrlichkeit vor Augen führen. Im Angesicht des Sieges Christi über alles Leid der Welt erfährt sie Trost und Ermutigung, um ihr persönliches Leid, das sie durch ihre asketische Lebensweise und in ihren mystischen Erfahrungen auf sich nimmt, zu tragen.

An den linken Bildrand hat Spiegler noch den bekannten Dominikaner Thomas v. Aquin gemalt, erkennbar sowohl an der strahlenden Sonne auf seiner Brust als auch an dem Buch in seiner Hand, das ihn als den großen Gelehrten auszeichnet. In diesem Bild finden wir eine interessante theologische Aussage: auf den ersten Blick ist die hierarchische Anordnung der drei Frauen in der rechten Bildhälfte ungewöhnlich: unten die Ordensfrau, darüber Maria und zuoberst, die Sünderin Maria Magdalena mit dem Salbgefäß. Auch dieser Darstellung liegt eine biblische Aussage zugrunde: Wiederum im Lukasevangelium lesen wir: „Ich sage euch: So wird mehr Freude im Himmel sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die die Umkehr nicht brauchen.“ (LK, 15.7)

Diese himmlische Freude zeigen am oberen Bildrand zwei musizierende Engel ganz deutlich; der linke Engel hält eine Notenrolle in Händen und singt, der andere begleitet ihn auf einer Geige.

Ein anderes Engelein am unteren linken Bildrand hält eine weiße Lilie im Arm – sie verweist auf die Reinheit und Jungfräulichkeit, die das gesamte Bild überstrahlen.

Text: Sr.Kornelia Kreidler OSB, Priorin
 

© Kloster Habsthal 
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